Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs: Folgegutachten über Verteilung von Zuweisungen an Krankenkassen für Auslandsversicherte veröffentlicht

Versicherte der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die mehr als die Hälfte eines Jahres im Ausland leben, stellen das hiesige Finanzausgleichssystem vor Herausforderungen: Die benötigten Informationen zur Berechnung der Krankheitslast, auf der die Verteilung der Beitragsgelder an die einzelnen Krankenkassen maßgeblich basiert, liegen oftmals nicht vor. Im Rahmen eines gesetzlich vorgeschriebenen Folgegutachtens im Auftrag des Bundesamts für Soziale Sicherung (BAS) untersuchten das Leipziger WIG2 Institut, das Essener Forschungsinstitut für Medizinmanagement (EsFoMed) sowie der Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen den Status quo der Zuweisungsgenauigkeit und analysierten, auf welche Weise diese zukünftig erhöht werden könnte. Die Ergebnisse des wissenschaftlichen Konsortiums wurden jüngst durch das BAS veröffentlicht.

Das übliche Ausgleichsverfahren im Risikostrukturausgleich ist für die Versicherten der GKV, die ihren ständigen Wohnsitz im Ausland haben, nicht anwendbar. Der Informationsfluss ist für diese Versicherten oftmals uneinheitlich, unvollständig und verzögert. Doch auch das statt dessen praktizierte Ersatzverfahren ist unpräzise, wie bereits das 2016 veröffentlichte Erstgutachten zu den Zuweisungen für Auslandsversicherte feststellte.

Auf einer erneuerten und vollständigen Datenbasis stellt auch das nun vorgelegte Gutachten fest, dass sich insbesondere in Abhängigkeit der betreffenden Länder deutliche Unter- oder Überdeckungen bei den dort eingeschriebenen Versicherten zeigen. Für eine gesetzliche Krankenkasse kann es folglich finanziell nachteilig sein, Versicherte in einem bestimmten Land zu ihrer Klientel zu zählen, wohingegen Versicherte in anderen Ländern finanzielle Vorteile bedeuten können. Anreize zur Risikoselektion gegenüber Auslandsversicherten sind nicht auszuschließen.

Diesen Verwerfungen könne laut der Gutachter mit einer länderbezogenen Zuweisungsberechnung begegnet werden. Auf Grundlage der tatsächlichen Abrechnungsdaten der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA) sei es möglich, das reale Preisniveau eines Wohnlandes in die Berechnung der jeweiligen Zuweisungen für einen Auslandsversicherten einfließen zu lassen und so die Zuweisungen zielgenauer zu verteilen. Auch sollen zukünftig die im Inland verursachten Kosten im Ausgleichsverfahren berücksichtigt werden.

Das „Gutachten zu Zuweisungen für Auslandsversicherte nach § 269 Abs. 3c SGB V i. V. m. § 33a Abs. 4 RSAV“ kann unter folgendem Link eingesehen und heruntergeladen werden (PDF; 4 MB): https://www.bundesamtsozialesicherung.de/de/themen/risikostrukturausgleich/folgegutachten-ueber-die-verteilung-von-zuweisungen-an-krankenkassen-fuer-krankengeld-und-auslandsversicherte/

Über die EsFoMed GmbH
Das Essener Forschungsinstitut für Medizinmanagement (EsFoMed GmbH) ist ein unabhängiges, wissenschaftliches Institut, 2014 gegründet von führenden Mitarbeitern des renommierten Lehrstuhls für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen. Im interdisziplinären Forschungs- und Beratungsteam der EsFoMed GmbH bündelt sich langjährige Projekterfahrung, die in der Angebotsbreite nahezu allen Themen des Gesundheitswesens leistungsstark begegnet. Mit individuellen Lösungsansätzen bietet die EsFoMed GmbH ihren Kunden wissenschaftliche Analysen sowie strategische Beratung und Betreuung bei der Konzeptionierung, Umsetzung, Markteinführung und Evaluation von Projekten im Gesundheitswesen.

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Gerald Lux | gerald.lux@esfomed.de | +49 176 1367 2441

Über den Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen
Die Universität Duisburg-Essen hat den Lehrstuhl für Medizinmanagement zum Sommersemester 2003 eingerichtet, der bis 2008 als Stiftungsprofessur durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gefördert wurde. Der Lehrstuhl befasst sich an der Schnittstelle von Wirtschaftswissenschaften und Medizin mit Fragen des Managements, der Steuerung und der Finanzierung des Gesundheitssystems und seiner Einrichtungen. Der Risikostrukturausgleich gehört seit langem zu den vom Lehrstuhl bearbeiteten Forschungsthemen. Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Jürgen Wasem ist Mitglied der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und der Medizinischen Fakultät der Universität.

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Jürgen Wasem | juergen.wasem@uni-due.de | +49 201 183 4072

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