Mensch bleibt Maß der Dinge

Mehr als einen Blick über den Tellerrand warfen Ende März in Lüneburg rund 200 Mitarbeiter/-innen aus etablierten Zimmerei-, Holzfertigbau- und Zulieferbetrieben anlässlich der gemeinsamen Frühjahrstagung der Verbände DHV und 81fünf: Umgeben von historischer Backstein-Architektur, die es im Zentrum der norddeutschen Hansestadt reichlich zu bestaunen gibt, lag der Schwerpunkt der Fachvorträge dieses Mal auf soziodemographischen und psychosozialen Aspekten des Arbeitens und Lebens.

 „Bis 2030 fehlen in Deutschland acht Millionen Fachkräfte. Welchen Stellenwert hat das Handwerk noch in der Gesellschaft? Was können wir tun, damit es wieder so attraktiv wird wie vor 30, 40 oder 50 Jahren?“, umriss DHV-Präsident Erwin Taglieber zu Beginn der Frühjahrstagung die Herausforderung, vor der auch der Holzbau und das Bauhandwerk stehen. Keine wohlfeilen Patentrezepte, sondern Anregungen zum Weiterdenken kamen in Lüneburg von den durchweg hörenswerten Referentinnen und Referenten.

Vorträge, die es in sich hatten

Es ist fürwahr mehr als eine Generationenfrage, wenn man sich die gewandelten Einstellungen zur Arbeit als vormals sinnstiftender Teil des Lebens und dem heutigen hedonistischen Streben nach Selbstverwirklichung in der Freizeit vor Augen führt. Vor allem mittelständische Unternehmen mit klassischen Hierarchiestrukturen müssen sich etwas einfallen lassen, um Auszubildende zu finden, sie für das Handwerk zu begeistern und an sich zu binden. „Die Lage hat sich umgekehrt, nicht der Schulabgänger bewirbt sich bei Ihnen um einen Ausbildungsplatz; vielmehr bewerben Sie sich mit Ihrem Unternehmen darum, in die engere Wahl als Ausbildungsbetrieb zu kommen. Wie gehen Sie diese Aufgabe an?“

Mit der „Generation Z“ bzw. den Kindern der heutigen „Silberrücken“ setzte sich Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt auseinander. Die Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) entführte die Tagungsteilnehmer in die Denk- und Gefühlswelt einer jungen Generation, die längst nicht mehr nur ab und zu ins Internet geht, sondern "24/7", also 24 Stunden pro Tag, sieben Mal die Woche, online ist und wie selbstverständlich mit dem Smartphone lebt. 4.500 junge Erwachsene an der Schwelle zum Berufsleben hat Prof. Mörstedt befragt und ihre Vorlieben, Gewohnheiten und Abneigungen wissenschaftlich ausgewertet. Ihre Erkenntnis: „Aktuell strebt eine Generation auf den Arbeitsmarkt und in die Hochschulen, die ungern telefoniert, lieber per whatsapp Informationen austauscht und gerne mal chillt.“ Für ausbildungswillige Unternehmen gilt es daher, die gewohnte Aufgabenverteilung und tradierte betriebliche Strukturen mit dem neuen Welt- und Selbstbild der Generation Z in Einklang zu bringen.

DHV begleitet technologischen Fortschritt

Technische Fragen des Holzbaus wurden in Lüneburg natürlich ebenfalls erörtert: Micha Trefz, Mitarbeiter im Fachbereich Technik der DHV-Verbandsgeschäftsstelle in Ostfildern, stellte von „dataholz“ bis „TIMpuls“ die aktuellen wissenschaftlichen Projekte sowie ambitionierte Forschungsvorhaben wie etwa neuere Untersuchungen zum Schallschutz im Holzbau vor. „All diese Aktivitäten werden dazu beitragen, das Bauen mit Holz durch optimierte Vorfertigung und systematische Elementierung auf den tiefgreifenden Bedarfswandel in unserer alternden Gesellschaft und eine durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz immer stärker automatisierte Wirtschaft abzustimmen.“, brachte Trefz das Ziel des mannigfaltigen Engagements des DHV auf einen Nenner.

Holz kommt gut in Niedersachsen

Das hörten die Tagungsteilnehmer gerne: Dr. Berend Lindner, Staatssekretär aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, bekannte sich in Lüneburg zum Holzbau und versprach, sich für holzbaufreundlichere Regelungen in der Landesbauordnung und eine Förderung des Bauens mit Holz nach dem Vorbild Baden-Württembergs einzusetzen. Das Nebeneinander von 16 LBOs sieht er als Anachronismus, den es durch eine bundeseinheitliche Musterbauordnung zu ersetzen gilt. Das sei Aufgabe der Politik. Gleichzeitig ist es erforderlich, dafür zu sorgen, dass Arbeit, die gemacht werden muss, auch erledigt werden kann. Dazu braucht es viel mehr qualifizierte Arbeitskräfte, als dem Markt derzeit zur Verfügung stehen. „Paradoxerweise sind gegenwärtig 2,1 Mio. Menschen im Alter von weniger als 24 Jahren ohne Berufsabschluss. So viel Potenzial ungenutzt zu lassen, können wir uns nicht leisten“, machte sich Staatssekretär Dr. Lindner für gezielte Beschäftigungsförderung stark. Klasse: Damit sich junge Menschen begründet für einen Beruf entscheiden können, hat das Land Niedersachsen als erstes Bundesland im Schulgesetzbuch für jedes Kind 10 bis 25 Praxistage pro Schuljahr vorgeschrieben.

Kollege Roboter

Mit dem akuten Fachkräftemangel und Möglichkeiten zur Kapazitätserweiterung durch Automatisierung befasste sich Prof. Andreas Heinzmann, Studiengangsleiter Holztechnik an der Technischen Hochschule Rosenheim. Er geht davon aus, dass die Akademisierung der Gesellschaft – nie gab es mehr Abiturienten und Studenten als heute – und die vergleichsweise geringere Attraktivität des Handwerks gegenüber oft deutlich besser bezahlten Industrie- oder Dienstleistungsberufen zu einem stetigen Rückgang an handwerklichen Arbeitskräften führen. Dieses Defizit kann zumindest teilweise durch verstärkte Automatisierung und Digitalisierung überwunden werden. Je größer die Differenz zwischen Kapazitätserfordernissen zur Produktion der gewünschten Waren und dem realen Arbeitskräfteangebot ist, desto mehr werden Steuerungsprozesse automatisiert ablaufen und Entscheidungen von KI-Systemen getroffen: „Künstliche Intelligenz entscheidet nach erkannter Notwendigkeit, welche Schritte wann einzuleiten sind, um die Produktion zum gewünschten Ergebnis zu führen. Maschinen steuern Maschinen, der Mensch bleibt außen vor.“

Wer seinen Betrieb hochgradig automatisieren will, sollte sein Augenmerk nicht mehr vorrangig auf die Fertigung legen, sondern produktionsvorgelagerte und -begleitende Tätigkeiten in die Prozessbetrachtung einbeziehen, empfahl Prof. Heinzmann.

Kämpfen, fliehen oder sich totstellen

Mehr als die Hälfte aller Arbeitszeitausfälle sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Stressprobleme zurückzuführen. Stress ist damit die größte Gesundheitsgefahr unseres Jahrhunderts. Arbeits- und Organisations-Psychologe Günter Diehl beschäftigte sich mit der Frage, was Stress aus bzw. mit dem Menschen macht, unter welchen Umständen er entsteht und wie man sich vor einem ungesunden Übermaß selbst schützen kann.

„Wenn ein Tiger vor Ihnen steht, haben Sie in der Regel keine Lust auf Sex.“, veranschaulichte der Psychologe die unmittelbare Wirkung von Stress auf den Menschen.

Mit Belastungen umzugehen, um den (Arbeits-)Alltag zu bewältigen und die Freude am eigenen Tun nicht zu verlieren, ist für ihn eine Fähigkeit, die es zu erlernen gilt. Allerdings gehört ein adäquates Arbeitsumfeld dazu: „Jeder Arbeitsplatz muss auf sein psychisches Belastungspotenzial hin untersucht werden, fordert § 5, Abs. 6 Arbeitsschutzgesetz. Das ist keine Soll- oder Kann-Vorschrift, sondern eine Pflicht, die jeden Arbeitgeber trifft.“, ermunterte Diehl die Anwesenden, der Verpflichtung als Arbeitgeber nachzukommen, soweit dies noch nicht erfolgt ist.

 24/7 online

Digitalisierung führt zu einer Reizüberflutung des Gehirns, wenn wir uns dem Datenstrom permanent aussetzen. Was zu tun ist, um die Arbeitsfähigkeit zu er- und zu unterhalten, fragte sich Dr. habil. Volker Busch, Neurowissenschaftler und Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Der Mediziner empfahl, sich jeden Tag bewusst sog. Panoramazeiten einzurichten: Darunter sind drei- bis fünfminütige Entspannungsphasen zu verstehen, die alle 90 bis 120 Minuten eingelegt werden sollten. Durch diese Erholungsphasen bleibt die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit länger erhalten. Auf eine Zeit der Konzentration folgt eine Erholungsphase. „Wir sind so vielen Ablenkungen ausgesetzt, dass wir mit unserer Aufmerksamkeit überall sind, aber nirgends richtig. Nach einer Unterbrechung brauchen wir durchschnittlich 5 bis 8 Min., um uns wieder in die gerade überdachte Sache zu vertiefen. Dabei liegt in der ablenkungsfreien Konzentration auf das Wichtigste die größte Effizienz. Es macht also auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn, regelmäßig kürzere Pausen einzulegen.

Neuer DHV-Geschäftsführer

Im Rahmen der gemeinsamen Frühjahrstagung hielt der DHV eine kurze Mitgliederversammlung ab. Nur zwei Punkte standen dabei auf der Tagesordnung: eine textliche Änderung in der Satzung – sowie die Neubestellung des Geschäftsführers. Der bisherige ‚Kopf‘ der Geschäftsstelle in Ostfildern, Diplom-Kaufmann Thomas Schäfer, widmet sich künftig im FORUM HOLZBAU anderen verantwortungsvollen Aufgaben. An seiner Stelle wählten die anwesenden Verbandsmitglieder einstimmig Konstantin zu Dohna, der bislang den Bereich Unternehmensentwicklung betreute.

Gemeinsam umso stärker

Mit zusammen über 300 Mitgliedsbetrieben bilden der Deutsche Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV, Ostfildern), die Vereinigung ZimmerMeisterHaus (ZMH, Schwäbisch Hall) und das Unternehmernetzwerk 81fünf high-tech & holzbau AG (Lüneburg) eine leistungsstarke Gemeinschaft, die übereinstimmende Interessen gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit Dezember 2015 gebündelt artikuliert. Zu den Mitgliedsunternehmen der drei holzwirtschaftlichen Verbände, die das Bauen in Deutschland nachhaltig mitgestalten, zählen Holzfertigbaubetriebe, Architektur- und Planungsbüros sowie Zulieferfirmen aller baubeteiligten Gewerke. Darüber hinaus gehören Sägewerke, Baumaschinenhersteller sowie Dienstleister aus bauaffinen Branchen wie zum Beispiel Gebäude-Energieberater, Statiker, Softwareentwickler, Vermessungsingenieure und Medienvertreter dem holzwirtschaftlichen Interessenverbund an. Das gemeinsame Ziel heißt Holzbau komplett: von der Beratung über die Planung und Vorfertigung bis zur bezugsbereiten Ausführung von Wohnhäusern, Büro-, Gewerbe- und Zweckbauten in allen erdenklichen Formen und Größen. Weitere Informationen: www.d-h-v.de

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