Vom Flickenteppich zum Lausitz-Takt

Ob die Lausitz erfolgreich den Strukturwandel meistert, hängt auch davon ab, wie die Region künftig an die nationalen und internationalen Zentren angebunden ist. Eine aktuell vorgelegte Verkehrsstudie, die im Rahmen des Projektes „Zukunftswerkstatt Lausitz“ entstand, sieht erheblichen Verbesserungsbedarf, sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene. Identifiziert wurden Schlüsselprojekte, welche die Konkurrenzfähigkeit der Lausitz stärken sollen. Teilweise wurden diese Verkehrsinfrastruktur-Projekte bereits in das neue Strukturstärkungsgesetz (StStG) aufgenommen. Dazu gehören:
  • Komplettierung, Elektrifizierung und Wiederinbetriebnahme der Bahnlinie Dresden – Kamenz – Hoyerswerda als Lückenschluss im Eisenbahnnetz
  • Ausbau der Bahnstrecke Dresden – Cottbus auf 160 km/h
  • Ausbau und Ortsumfahrungen Bundesstraße 178 (Lückenschlüsse)
  • Ausbau der Autobahn A 13 (sechsspurig zwischen Berlin und Dreieck Spreewald)

Weitere Schlüsselprojekte im Schienennetz:

Sowohl die Infrastruktur als auch die Angebote haben Defizite. Auf vielen Verbindungen gibt es keinen Zeitvorteil gegenüber der Fahrt mit dem Auto. Lange eingleisige Strecken, fehlende Ausweich- und Überholmöglichkeiten, geringe Gleiskapazitäten der Bahnhöfe – all das verhindert wiederum ein breiteres Angebot und sorgt für Lücken im ÖPNV. Ein großer Teil dieser Mängel soll durch den Ausbau von Infrastruktur behoben werden. Dabei haben folgende Vorhaben Priorität:

  • Ergänzung der Bahnlinie Dresden – Kamenz – Hoyerswerda um eine Verbindung von Hoyerswerda über Spremberg nach Cottbus
  • Ausbau und Elektrifizierung der "Görlitzer Bahn" im Abschnitt Cottbus – Horka – Görlitz inkl. Anhebung der Streckengeschwindigkeit auf 160 km/h zur Stärkung einer Lausitz-Entwicklungsachse und verbesserten Anbindung der vom Braunkohle-Aus besonders betroffenen Gebiete Spremberg-Weißwasser

Die Angebotsqualität lässt sich zudem verbessern durch den Ausbau der Strecken Cottbus-Berlin, Cottbus-Leipzig, Dresden-Görlitz und des Bahnkorridors Görlitz-Zittau-Liberec. Neben einer besseren Infrastruktur schlägt die Studie auch organisatorische Anpassungen vor. Attraktive Reiseketten und Pendlerströme sind das Ziel. „Dafür brauchen wir in der Lausitz eine Zusammenarbeit Brandenburgs und Sachsens und der Verkehrsverbünde. Das ist Voraussetzung für einen Lausitz-Tarif und einen Lausitz-Takt, bei dem sich die Bus-Zubringer an den Anschlüssen zur Bahn orientieren. Wenn es ein einfaches, zuverlässiges und attraktives Angebot bis in den ländlichen Raum gibt, werden deutlich mehr Menschen die Bahn nutzen und wird die Lausitz noch attraktiver für neue Bewohner“, so Heiko Jahn, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH, die die Studie im Rahmen des Projektes „Zukunftswerkstatt Lausitz“ in Auftrag gab.

Weitere Schlüsselprojekte im Straßennetz sind:

  • Weiterer Ausbau und zusätzliche Ortsumfahrungen Bundesstraße 169
  • Ausbau Bundesstraße 115
  • Anbindungsverbesserungen des Industrieparks Schwarze Pumpe sowie des Kraftwerksstandortes Boxberg (B 156, „Spreestraße“)
  • Ausbau und Ortsumfahrungen Bundesstraße 87
  • Ausbau der Autobahn A 4 (sechsspurig zwischen Dresden und Görlitz)
  • Ausbau und Ortsumfahrungen der Zubringer B97 und B168 zur Autobahn A 15

Neben konkreten Projekten für Schienen und Straßen empfehlen die Autoren der Studie

weitere Maßnahmen. So müsse die grenzüberschreitende Kooperation mit Polen und Tschechien weiter ausgebaut werden. Die Schaffung eines Hub-Terminals für die Lausitz als internationales Tor Richtung Polen, Russland und Asien würde den Wirtschaftsstandort wesentlich stärken. Planungen und Genehmigungen sollten beschleunigt werden. Außerdem gelte es, Doppelstrukturen mit Hilfe einer Koordinierungsstelle zu vermeiden. Diese Maßnahmen seien auch eine Voraussetzung, um die Lausitz zur Modellregion für die stärkere Nutzung des Schienengüterverkehrs zu entwickeln.

Um all diese Vorhaben realisieren zu können, bedarf es eines Lausitzer Zusammenhaltes, sagte Heiko Jahn: „Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft müssen dafür kämpfen, dass diese wichtigen Infrastrukturmaßnahmen auch umgesetzt werden. Fest steht: Es gibt vielversprechende Planungen, die im Rahmen des Strukturwandels umgesetzt werden können.“ Auch Standortentscheidungen wie der DB Standort Cottbus würden Infrastrukturprojekte befördern, so Jahn. „Jüngste Studien der Wirtschaftsregion Lausitz zum Schienenfahrzeugtestzentrum in Niesky oder zur Beförderung von Personen und Kleinstgütern auf der letzten Meile in der Lausitz unterstreichen den Handlungsbedarf.“

Die Integrierte Verkehrsstudie Lausitz wurde im Auftrag der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH / Projekt „Zukunftswerkstatt Lausitz“ von WAGENER & HERBST Management Consultants GmbH, Potsdam und der Verkehrsplanung Köhler und Taubmann GmbH, Dresden erstellt. Die Ergebnisse der Studie fließen in die „Entwicklungsstrategie Lausitz 2050“ ein, die bis Ende 2020 vorgestellt wird.

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