Versagenskreislauf der Bildungspolitik: Senkung der Qualitätsstandards für angehende Musiklehrkräfte ist keine Lösung

Eine aktuelle Antwort der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern auf eine Anfrage der Linken legt offen, dass im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern 2541 Lehrkräfte die Fächer Musik, Kunst und Sport ohne entsprechende Ausbildung unterrichteten. Diese Zahl spiegelt auch die bundesweite Tendenz im Bildungsbereich wider. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg, fordert laut dpa in der Konsequenz, die Zugangsvoraussetzungen für das Lehramtsstudium in Musik, Kunst und Sport zu erleichtern, da die derzeitige Praxis den Beweis erbringe, dass man diese Fächer auch ohne entsprechende Ausbildung gut unterrichten könne.

Hierzu Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates: „Die absurde Forderung nach Absenkung der Eingangsvoraussetzung zum Musiklehramtsstudium, wie sie nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern geäußert wird, spiegelt den Versagenskreislauf der Bildungspolitik wider. Der akute Musiklehrkräftemangel ist Resultat einer jahrzehntelang verschlafenen Bildungsplanung. Wie sollen Kinder und Jugendliche Begeisterung für die Musik und ein Interesse am Beruf des Musiklehrers oder der Musiklehrerin entwickeln, wenn der Musikunterricht massiv fachfremd erteilt wird bzw. ausfällt und Musik-Leistungskurse immer seltener angeboten werden?

Musik gehört, ebenso wie die übrigen künstlerischen Schulfächer und der Sport, zu den Kernfächern. Gerade für dieses Fach bedarf es hervorragend ausgebildeter Musiklehrkräfte mit musikpraktischen, musikwissenschaftlichen sowie pädagogischen Fähigkeiten und Kenntnissen. Denn zum einen gilt es, die musikalische Vielfalt in ihrer ganzen Bandbreite zu vermitteln. Zum anderen ist – wie in den anderen Schulfächern auch – die fachliche und pädagogische Kompetenz in unserer immer heterogener werdenden Gesellschaft dringender denn je die zentrale Voraussetzung für gelingendes Lehren und Lernen. Musiklehrkräfte durchlaufen daher ein umfängliches Fachstudium mit großem Praxisanteil; aus gutem Grund sind für dieses Studium die Zugangsvoraussetzungen von den Musikhochschulen und Universitäten im Hinblick auf das spätere Berufsleben praxisgerecht gesetzt. Landesregierungen und Länderparlamente sind aufgefordert, endlich die Weichen zu stellen, damit über die gesamte Schullaufbahn hinweg qualifizierter Musikunterricht gewährleistet ist – ein langer, aber unverzichtbarer und lohnender Weg.“

Der Deutsche Musikrat, die Landesmusikräte und die Bertelsmann Stiftung haben im März 2020 die Studie „Musikunterricht an Grundschulen“ veröffentlicht und damit auf valider Forschungsgrundlage die Defizite in der musikalischen Bildung präzise herausgearbeitet. Die Studie konnte unter anderem belegen, dass etwa 50% des Musikunterrichts in Grundschulen fachfremd erteilt werden und rund 7% ersatzlos ausfallen.

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