Vereinigte Staaten von Europa: Ein realistischer Schritt aus der geopolitischen Sackgasse

Die Idee der Vereinigten Staaten von Europa ist keineswegs neu. Von George Washington (1776) über Victor Hugo (1849) und Aristide Briand (1929) bis hin zu Winston Churchill (1946) wurde sie immer wieder formuliert. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ist sie heute dringlicher denn je.

Gleichzeitig ist klar: Europa besteht aus stolzen Nationen mit gewachsenen Identitäten. Ein föderaler Zusammenschluss lässt sich daher nicht über Nacht verwirklichen. Gerade deshalb braucht es einen realistischen, pragmatischen Einstieg.

Ein solcher Anfang sollte sich deshalb zunächst auf klar umrissene Kernbereiche konzentrieren: Sicherheit in all ihren Dimensionen – militärisch, hybrid und im Cyberraum – sowie Energieversorgung. Weitere Politikfelder können und sollten schrittweise folgen aber ohne Eile.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Alternative zur NATO, die zumindest bislang unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika eine tragende Rolle für die euroatlantische Sicherheit spielt. Ziel ist vielmehr eine eigenständige europäische politische Handlungsfähigkeit, die bestehende Bündnisse ergänzt, stärkt und resilienter macht.

Mit rund 450 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist Europa demografisch größer als die USA (ca. 330 Millionen) und Russland (ca. 130 Millionen). Europa ist damit deutlich stärker, als es oft dargestellt wird – vorausgesetzt, es tritt geschlossen und entschlossen auf. Für viele internationale Partner wäre ein geeintes Europa ein verlässlicherer und berechenbarerer Ansprechpartner als eine Vielzahl einzelner nationaler Positionen.

Ein handlungsfähiges Europa wird voraussichtlich nicht an der Idee scheitern, sondern an der schwierigen Umsetzung. Komplexe demokratische Verfahren werden zunehmend von antieuropäischen und antidemokratischen Kräften instrumentalisiert, teils auch mit externer Einflussnahme, um europäische Entscheidungsfähigkeit gezielt zu blockieren. Dadurch gehen wertvolle Zeit, Energie und politische Handlungsräume verloren, die dringend für Sicherheit, Stabilität und Zukunftsgestaltung benötigt werden.

Die Stärkung der europäischen Resilienz ist daher eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Dazu gehören klare rechtliche Rahmenbedingungen, hohe Transparenzanforderungen sowie eine kritische Überprüfung der Parteienfinanzierung und externer Einflussnahmen.

Ein handlungsfähiges Europa ist die beste Grundlage für Frieden, Sicherheit und Stabilität auf unserem Kontinent. Im besten Fall bedeutet das: die schrittweise Entwicklung hin zu den Vereinigten Staaten von Europa.

Mit Blick auf das Jahr 2026 bleibt die Überzeugung, dass ein starkes, geeintes Europa der Schlüssel für eine friedliche gemeinsame Zukunft ist.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Pfitzer
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