Kinder stärken – Resilienz in der Kita

Resilienz hilft Kindern in schwierigen Lebensverhältnissen, Armut zu bewältigen – und sie trägt auch sonst zur seelischen Gesundheit bei.  Wie aber können Kinder seelisch stark aufwachsen – selbst wenn sie unter schwierigen Bedingungen groß werden? Dieser Frage geht unsere Kollegin Nina Prädel-Ristow in ihrer Bachelorarbeit in der Kita „BeerenStark“ im Berliner Reuterkiez nach – einem Sozialraum im Bezirk Berlin-Neukölln, der von Armut und sozialen Herausforderungen geprägt ist. Der Beitrag gibt persönliche Einblicke in die Praxis der Resilienzförderung und macht deutlich, warum Kitas weit mehr sind als Bildungsorte: Sie sind Schutzräume, Wurzelorte – und ein Schlüssel zu echter Chancengleichheit.

Schwierige Lebensumstände im Reuterkiez

Was brauchen Kinder, um seelisch gesund aufzuwachsen – besonders dann, wenn sie in schwierigen Lebensumständen groß werden? Mit dieser Frage habe ich mich in meiner Bachelorarbeit beschäftigt, die ich in der Kita „BeerenStark“ im Reuterkiez in Berlin-Neukölln durchgeführt habe – einem der am stärksten belasteten sozialen Ballungsräume der Stadt.
Der Reuterkiez steht wie kaum ein anderer Ort für die Verdichtung sozialer Herausforderungen: hohe Armutsquote, beengte Wohnverhältnisse, niedriger Bildungsstand, Migrationsgeschichte, Transferleistungsbezug. Jedes zweite Kind im Bezirk wächst statistisch gesehen in Armut auf.

Kita als Schutzraum und Wurzelort

Ich bin seit fast 20 Jahren im Träger tätig, viele Jahre davon im Kinderhaus am Sawyer in Zehlendorf. 2023 wechselte ich als stellvertretende Leitung nach Neukölln – ein innerer Quantensprung, getragen von der Überzeugung, dass Kitas entscheidende Schutzräume sein können: Schutzhüllen, die Kinder umgeben, und gleichzeitig Orte, an denen sie Wurzeln entwickeln – durch stabile Beziehungen und verlässliche Bindungserfahrungen.

Zwei Schwerpunkte: Resilienz und Armutssensibilität

Im Mittelpunkt meiner Arbeit standen zwei zentrale Themen: Resilienzförderung – also die Stärkung psychischer Widerstandskraft – und ein armutssensibles pädagogisches Handeln. Ich wollte herausfinden, ob Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die in armutsbetroffenen Haushalten leben, weniger resilient sind als ihre Altersgenossen aus scheinbar günstigeren wirtschaftlichen Verhältnissen.
Unerwartete Ergebnisse aus der Kita „BeerenStark“
Insgesamt befragte ich 42 Kinder unserer Kita mithilfe der wissenschaftlich erprobten Resilienzskalen RSKita 3–6. Dieses Instrument ermöglicht es, die Kinder selbst nach ihrer seelischen Wahrnehmung zu fragen. 28 Fragen konnten sie über verschieden große Holzbausteine gewichten – ganz nach ihrer eigenen Einschätzung.
Das Ergebnis hat mich überrascht: Kinder aus armutsbetroffenen Familien schätzten sich im Durchschnitt als besonders resilient ein – sogar höher als Kinder aus Familien ohne finanzielle Unterstützung. Diese Erkenntnis widerspricht gängigen Vorannahmen. Sie zeigt: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern ein dynamischer Prozess – geprägt durch Beziehungen, Alltagserfahrungen und die Qualität der pädagogischen Begleitung.

Kinder ernst nehmen – Einblicke ins emotionale Erleben

Besonders wertvoll war für mich die Erkenntnis, dass kindliche Selbsteinschätzungen echte Einblicke ins emotionale Erleben geben. Zwei Kinder mit besonders niedriger Einschätzung machten deutlich: Hier braucht es gezielte Unterstützung – passgenau orientiert an den sogenannten Resilienzfaktoren wie Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenz und Stressbewältigung.

Resilienz als Schlüssel zu Chancengleichheit

Diese Faktoren sind nicht nur im Berliner Bildungsprogramm verankert, sondern auch ein Schlüssel zu echter Chancengleichheit – besonders in belasteten Bezirken wie Neukölln.
In der Kita „BeerenStark“ gehen wir diesen Weg seit zwei Jahren ganz bewusst. Gemeinsam mit dem Team leben wir Resilienzförderung im Alltag – auf Basis eines Wertekreises aus Wissen, Haltung und Handeln.

Schutz, Teilhabe und seelische Gesundheit

Denn klar ist: Kitas helfen dabei, Schutzhüllen um das Kind zu bilden, indem sie die individuelle Situation jedes einzelnen Kindes in den Blick nehmen und gezielte Maßnahmen einleiten – um zu stärken, zu unterstützen und Teilhabe zu ermöglichen. So leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur seelischen Gesundheit und zu einem gelingenden Aufwachsen.

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