Von Rebgeshain ins Luxuspenthouse

Wo früher das Heu von den Wiesen rund um Rebgeshain gelagert wurde, laufen heute die Fäden der Holzmanufaktur Schreinerei Kraft zusammen. Der Startpunkt für diese Entwicklung liegt im Jahr 2003. Denn zu dieser Zeit macht sich Schreinermeister Timo Kraft selbstständig. „Und das erfolgreich, denn seither ist der Betrieb konsequent gewachsen und hat sich mit vielen hochwertigen Referenzen einen Namen gemacht“, kommentiert Landrat und Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak seinen Besuch in Rebgeshain. Denn er ist dort gemeinsam mit Dr. Steffen Scharmann, Bürgermeister der Stadt Ulrichstein, und Andrea Ortstadt von der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises bei Timo und Rebekka Kraft zu Gast.

Ihre Anfänge nimmt die Schreinerei in der alten Scheune des landwirtschaftlichen Betriebs der Eltern. „Ab 2001 hatte ich ein Nebengewerbe angemeldet und habe mich zwei Jahre später komplett selbstständig gemacht“, berichtet Timo Kraft. Der große Vorteil dabei: Der seinerzeit in Rebgeshain boomende Messebau, der für viele Aufträge sorgte und dem Unternehmen zum Start zugutekam. Als dieser dann ab 2009 an Einfluss verlor, orientierte sich die Schreinerei Kraft um. „Gerade der hochwertige Innenausbau ist für uns seither immer wichtiger geworden“, sagt der Schreinermeister, der aktuell 13 Mitarbeiter beschäftigt. In diesem Bereich, der qualitativ hohe Anforderungen stellt, arbeitet der Betrieb etwa mit Architekten und Bauträgern im Rhein-Main-Gebiet zusammen. „Dabei fertigen wir zum Beispiel kleine hochwertige Möbel- und Inneneinrichtungsserien an“, sagt Kraft und präsentiert Arbeiten, die die Schreinerei Kraft etwa in Penthouse-Suiten oder Eigentumswohnungen in Hochhäusern verwirklicht hat. „Gleichzeitig bauen wir hier in der Region auch Fenster ein, schreinern eine Treppe oder verwirklichen Projekte für den Messebau oder zu Präsentationszwecken“, führt der Schreinermeister aus.

In den Jahren 2012/13 sowie 2015/16 erweiterte Timo Kraft die Produktion am Standort und konnte in schwächeren wirtschaftlichen Phasen das Gros der Mitarbeiter halten. Gute Ausbildung liegt dem Schreinermeister dabei sehr am Herzen, „denn wir haben seit 2003 insgesamt 13 Gesellen ausgebildet“, berichtet er. Die Nähe zur Vogelsbergschule zahlt sich dabei aus, auch wenn die Suche nach Auszubildenden zunehmend herausfordernder wird, wie Kraft anmerkt. „Wir merken auch, dass wir hier im Betrieb manchmal mehr beibringen müssen, als nur das Fachliche. Das macht die Ausbildung für alle Beteiligten anspruchsvoller.“ Gerade dort wünscht sich der Schreinermeister bisweilen mehr Unterstützung. Denn der Betrieb benötigt zusätzliches Fachpersonal. Und das aus gutem Grund, will Timo Kraft doch im Bereich Messe- und Innenausbau expandieren.

Vielfältige Herausforderungen für Betriebe

Wermutstropfen dabei: ein hoher Auflagendruck für den Betrieb. „Wir dokumentieren uns noch zu Tode, wenn das so weitergeht“, sagt der Schreinermeister mit einem Schmunzeln. Und – da sind sich die Gesprächspartner vor Ort einig – mahnt konsequenten Bürokratieabbau in Wiesbaden und Berlin an. Denn auch die Bürokratie führe dazu, dass die allgemeinen Geschäftskosten steigen. Eine Mehrbelastung, die im Betrieb erwirtschaftet werden muss.

Wirtschaftsdezernent Dr. Mischak pflichtet Timo Kraft bei. „Die Herausforderungen für kleine und mittelständische Betriebe und Unternehmen sind immens. Um dort einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen, müssen Ansätze her, die echte Erleichterung mit sich bringen“, stellt er klar. „Denn nur wenn man gut laufenden Betrieben und Unternehmen echte Perspektiven aufzeigt, können sie weiterhin – wie etwa bei der Holzmanufaktur Kraft – hervorragende Handwerkskunst anbieten“, betont der Landrat abschließend.

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