Schwarzwälder Trachten zwischen Tradition, Identität und Klischee – ein Gespräch mit Siegfried Eckert, Präsident des Bundes „Heimat und Volksleben“ e.V.

Siegfried Eckert ist ein ebenso humorvoller wie anekdoten- und kenntnisreicher Gesprächspartner rund um das Thema Trachten im Schwarzwald: Denn der Markgräfler ist selbst begeisterter Trachtenträger, seit mehr als 20 Jahren Bürgermeister der „Bollenhutgemeinde“ Gutach/Schwarzwaldbahn und Präsident des Bundes „Heimat und Volksleben“ e.V. (BHV), dem größten Trachtendachverband mit den meisten Mitgliedsvereinen in Deutschland. Ein Gespräch, geführt von Jens Großkreuz und Michael Gilg, über Kultur, Klischee, Kitsch und Kommerz.

Lieber Herr Eckert, ganz persönlich gefragt: Was bedeutet Tracht und Tradition für Sie?

Ich bin mit Trachten und mit Traditionen aufgewachsen, so habe ich beispielsweise in meiner Heimatregion, dem Markgräflerland, in der Batzenberger Winzerkapelle Trompete gespielt. Ich glaube, wenn man mit bestimmten Dingen groß wird, dann bekommt man einfach ein entsprechendes Gefühl dafür. Einem Sportler fällt das wöchentliche Training nicht schwer, ein Musiker empfindet die Musikprobe als selbstverständlich, ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr nimmt an regelmäßigen Übungen und Einsätzen teil. Das gehört dann ganz selbstverständlich zum Leben dazu!

Man wächst einfach hinein und so bedeutet die Tracht für mich nicht nur Frohsinn, sondern Regionalität, Authentizität, ein gelebtes, gutes Gefühl. Dieses Gefühl möchte ich gerne weitergeben und die Menschen auch für das Tragen der Tracht begeistern.

Was erzählen die mehr als 100 Trachten über die Ferienregion Schwarzwald?

Der Schwarzwald hat verschiedene Regionen, die Landschaft, das Klima und auch die Menschen unterscheiden sich durch ihre Charaktere. Ebenso unterschiedlich sind die vielfältigen Trachten. Ich vergleiche diese Vielfalt als Präsident des BHV gerne mit einem Blumenstrauß: Eine einzelne Rose ist etwas sehr Schönes, aber ein Strauß bunter, abwechslungsreicher Blumen begeistert durch seine Mischung und Farbenpracht.

Bei unseren Auftritten begegnen wir immer wieder Menschen, die neugierig sind, warum der Rock blau ist oder die Strümpfe weiß – diese Fragen beantworten wir gerne. Die Antworten sollen den Menschen helfen, die Tracht besser zu verstehen und eine stärkere Verbindung zu ihr aufzubauen.

Wie erhält und pflegt man eine jahrhundertealte Tradition wie die Tracht und hält sie gleichzeitig offen für Neues? Ist eine Anpassung an den Zeitgeist notwendig?

Mit jeder Generation erweitern sich Perspektiven und Meinungen – und auch die Tracht bleibt nicht in der Vergangenheit stehen. Das ist etwas Positives. Ein Beispiel: In den traditionellen Trachten wurden Materialien verwendet, die heute kaum noch zu finden sind, weshalb oft neue Stoffe hinzugekauft werden müssen. Das bemerkt der Laie vielleicht nicht, aber genau das ist notwendig, um das Alte zu bewahren. Dieses Prinzip gilt sowohl für kleine Details als auch für das große Ganze.

Wie viel Klischee ist erlaubt, ab wann beginnt der Kitsch?

Im Werbebereich gilt oft das Motto: „Nicht kleckern, sondern klotzen!“ – da braucht es den Eyecatcher, der auch auf einen flüchtigen Blick viel aussagt. Manchmal kann das jedoch auch etwas übertrieben wirken. Trachten sind an sich bereits echte Hingucker und Kleidungsstücke, die vor allem zu besonderen Anlässen getragen werden. Der Begriff „Sonntagstracht“ verdeutlicht dies besonders: Früher war der Sonntag ein besonderer Tag, an dem auch das Mittagessen aufwendiger und feierlicher ausfiel. Unter der Woche trug man die Arbeitstracht, die schlichter und praktischer war. Sobald man jedoch in die Sonntagstracht schlüpfte, zeigte man durch das äußere Erscheinungsbild: Heute ist ein besonderer Tag.

Der Schwarzwald hat verschiedene Regionen, die Landschaft, das Klima und auch die Menschen unterscheiden sich durch ihre Charaktere. Ebenso unterschiedlich sind die vielfältigen Trachten. Siegfried Eckert

Wie erklären Sie sich, dass gerade der nur in drei Gemeinden getragene Bollenhut heute zum Symbol für den ganzen Schwarzwald geworden ist und welche Rolle spielten Künstler dabei?

Bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entdeckten die Maler der Gutacher Malerkolonie, allen voran Wilhelm Hasemann und Curt Liebich, den Bollenhut als Motiv für ihre Werke. Häufig fingen sie dabei drei zentrale Themen ein: die imposanten Schwarzwaldhöfe, die blühende Landschaft und die traditionelle Bollenhut-Tracht der Frauen. Ihre Bilder, die als Postkarten in alle Welt gingen, trugen maßgeblich dazu bei, das Bild des Schwarzwaldes als romantischen Sehnsuchtsort zu prägen.

Welchen Einfluss hatten in den vergangenen Jahren Künstler wie Stefan Strumbel, Jochen Scherzinger, Sebastian Wehrle und José Schloss, die sich künstlerisch mit den Trachten beschäftigt haben?

Ich bin diesen Künstlern sehr dankbar, weil sie frischen Wind in die Szene gebracht haben. Natürlich haben sie manchmal künstlerisch übertrieben – etwa indem sie den Bollenhut plötzlich grün darstellten oder traditionelle Trachten auf ungewöhnliche Weise interpretierten. Das stieß bei konservativen Trachtenträgern natürlich auf Widerstand. Aber ich finde, bei Kunst darf man auch mal Grenzen überschreiten. Dank ihrer kreativen Herangehensweise spüren wir heute deutlich, dass immer mehr junge Leute wieder Lust haben, Tracht zu tragen.

Hätten Sie sich früher vorstellen können, dass es nun auch einen PUMA-Schuh sowie eine PLAYMOBIL-Figur gibt, die die Bollenhut-Tradition aufgreifen? Dass im modernen Zeitalter diese Ursprünglichkeit noch mal so en vogue wird?

Wir beobachten beispielsweise auch in der Modebranche, dass sich viele Trends nach etwa zwanzig Jahren wiederholen. Anfangs hätte ich das nicht erwartet, doch schon bald wurde mir klar, dass Trachten eine Art Türöffner sind. Sie schaffen eine Verbindung und machen die Menschen offener. Sie zeigen Dankbarkeit dafür, dass wir dieses Kulturgut bewahren und präsentieren. Inmitten von Digitalisierung und Globalisierung entdecken wir zunehmend die Bedeutung unserer Heimat, unserer Regionen und unserer Traditionen. Dieser Zeitgeist ist wirklich faszinierend, und wir greifen ihn authentisch und ehrlich auf. Was ich bei den Kreis- und Trachtenfesten oder bei unseren Auftritten immer wieder erlebe, ist, dass die Menschen uns dafür danken.

Damit eine Tradition weiterlebt, braucht es auch Handwerkskunst und die Weitergabe von Wissen.

Ich kann hier exemplarisch für unsere Trachtengruppe sprechen: Bei uns sind eine Bollenhutmacherin und eine Trachtenschneiderin aktiv – das Handwerk wird also weiterhin lebendig gepflegt. Zudem setzen wir uns aktuell verstärkt für die Förderung des Handwerks in der Wirtschaft ein. Dabei merken wir, dass immer mehr junge Menschen ihre berufliche Zukunft wieder im Handwerk sehen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass es auch in diesem Bereich eine positive Entwicklung geben wird.

Für ihre Weihnachts-Charity 2025 verkaufte die Schwarzwald Tourismus GmbH einen liebevoll gestalteten „Schwarzwald Marie“-Kalender mit Motiven des Fotografen Felix Groteloh. Der gesamte Erlös von 9.500 Euro kam dem Bund „Heimat und Volksleben“ e.V. zugute. www.schwarzwald-tourismus.info/weihnachtscharity

Zur Person:

Siegfried Eckert (Jahrgang 1954) ist mit Herz und Seele seit 2003 Bürgermeister in Gutach/Schwarzwaldbahn und zitiert gerne einen Spruch, den er auch genau so lebt: „Begeisterung ist darum so schätzenswert, weil sie der menschlichen Seele die Kraft einflößt, ihre schönsten Anstrengungen zu machen und fortzusetzen.“ Seinen Tatendrang bringt er auch als Präsident beim 1948 gegründeten Bund „Heimat und Volksleben“ e.V. ein, der 196 Vereine mit ca. 13.000 Mitgliedern vertritt und sich „für die Erhaltung, Pflege und Förderung des bodenständigen Volksleben einsetzt, das sich insbesondere in Tracht, Lied, Musik, Tanz, Mundart und Brauchtum äußert“ (www.bhv1948.de).

Mehr Infos zum Bollenhut und anderen Trachten im Schwarzwald gibt es auch unter  www.schwarzwald-tourismus.info/schwarzwald/klassiker

Text: Michael Gilg und Jens Großkreuz
Fotos: Chris Keller/Schwarzwald Tourismus; Schwarzwald Tourismus

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