„Stammzellenspende ist häufig die letzte Chance“

„Heutiges Thema: Leben retten!“ steht in dieser Woche auf dem Stundenplan in der Vogelsberger Akademie für Gesundheitsberufe. Nicht ungewöhnlich, sollte man meinen, schließlich werden hier angehende Pflegefachkräfte ausgebildet. In diesem Fall aber schon eine Besonderheit, denn an diesem Vormittag informiert die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, über ihre Arbeit und führt eine große Typisierungsaktion durch. Denn: „Alle 27 Sekunden erhält ein Mensch irgendwo auf der Welt die Diagnose Blutkrebs, viele von den Erkrankten benötigen eine Stammzellentransplantation, deshalb ist es so wichtig, dass es genügend Spender gibt, dass sich möglichst viele Menschen registrieren lassen“, schildert Landrat Dr. Jens Mischak den Hintergrund. „Und möglicherweise finden wir genau heute hier in der Pflegeakademie einen Lebensretter“, so der Landrat.

Getestet haben sich am Ende jedenfalls mehr als die Hälfte der Schüler, freut sich Henrik Seel, eine ganze Reihe der jungen Erwachsenen war bereits registriert, andere konnten sich aus gesundheitlichen Gründen nicht typisieren lassen. Der stellvertretende Schulleiter jedenfalls ist mit dem Ergebnis zufrieden. Er hatte übrigens die Aktion ins Leben gerufen. „Wir hatten das Thema im Unterricht und ich fragte, wer die DKMS überhaupt kennt. Es gingen nicht sehr viele Finger in die Höhe – für mich der Anlass, diese Typisierung in die Wege zu leiten“, erinnert sich Seel und schiebt die rhetorische Frage nach: „Wenn wir als Pflegekräfte das Thema nicht aufgreifen, wer soll es sonst tun?“

Und die jungen Leute gehen weiter mit gutem Beispiel voran: Sie lassen sich testen. „Ich finde es bemerkenswert, wie viele unserer Schülerinnen und Schüler heute Verantwortung gezeigt haben“, lobt Dr. Jens Mischak. „Hier wird Pflege wirklich gelebt“, so der Landrat, der die ganze Aktion unterstützt – gemeinsam übrigens mit Jan Klassert. Er ist Prokurist und Referent der Geschäftsführung des Alsfelder Kreiskrankenhauses und vertritt an diesem Vormittag Geschäftsführer Volker Röhrig.

Wie wichtig diese Registrierung ist, unterstreicht Lena Weitzel, die Referentin der DKMS: „Nur wer registriert ist, kann gefunden werden, um Menschen zu retten.“ Im Grunde geschieht das „am Ende mit Hilfe von drei Wattestäbchen“. Mit denen wird ein kleiner Abstrich im Mundraum durchgeführt.

Registrieren lassen können sich gesunde Menschen zwischen 17 und 55 Jahren, die in guter körperlicher Verfassung und nicht schwer erkrankt sind, erklärt Lena Weitzel. Dass die DKMS dann tatsächlich wegen einer möglichen Spende anfragt, diese Wahrscheinlichkeit liegt bei zehn Prozent und nur bei einem Prozent werden tatsächlich Stammzellen entnommen. Eine solche Spende „ist häufig die letzte Chance für die Patienten“, macht die Referentin eindringlich deutlich.

Und so greifen nach dem Vortrag ganz viele Hände unter die Stühle, wo die Test-Stäbe und Informationsmaterial parat liegen und die jungen Leute folgen dem Aufruf der DKMS: „Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein!“

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