Zinswende statt Zinssenkungen: Die Inflationsfalle der Fed
Der entscheidende Belastungsfaktor für Gold ist die abrupte Kehrtwende bei den Zinserwartungen. Gingen Investoren zu Jahresbeginn noch fest von baldigen Zinssenkungen aus, hat der Krieg im Iran eine globale Energiekrise entfacht und die Inflationssorgen massiv befeuert. Das CME FedWatch Tool taxiert die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Zinserhöhung bis September mittlerweile auf über 70 Prozent. Für das zinslose Edelmetall ist dieses restriktive Umfeld belastend, da steigende Anleiherenditen die Opportunitätskosten für Goldanleger in die Höhe treiben.
Dieser Wechsel von einem Umfeld „inflationärer Zinssenkungen“ hin zu einer straffen Geldpolitik halbiert das unmittelbare Aufwärtspotenzial von Gold, so die BofA. Das Problem: Selbst ein rascher Friedensschluss würde die hartnäckige Teuerung angesichts etablierter Trump-Zölle, angespannter Lieferketten und wieder steigender Wohnkosten kaum sofort auflösen. Gold steckt somit kurzfristig in einem Konflikt: Es profitiert zwar als klassischer Inflationsschutz, wird aber durch die zwingend restriktive Haltung der Notenbank ausgebremst.
Megatrends bleiben intakt: Das strukturelle Fundament wächst
Trotz dieses Gegenwinds hält die Bank of America an ihrem übergeordneten Bullenszenario fest, da die US-Makrolage den perfekten Nährboden für höhere Notierungen liefere. Ein ausuferndes Haushaltsdefizit von rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts und eine fehlende fiskalische Konsolidierung wecken zunehmend Zweifel an der Tragfähigkeit der amerikanischen Schuldenlast – zumal ausländische Investoren ihre Bestände an US-Staatsanleihen bereits reduzieren. Flankiert wird dies von der globalen Entdollarisierung: Laut aktuellen Umfragen gehen 74 Prozent der Zentralbanken davon aus, dass der Anteil des Dollars an den weltweiten Reserven in den kommenden fünf Jahren sinken wird. Dies verspricht eine anhaltend starke Kaufkraft des Notenbanksektors.
Sobald die drohenden Zinserhöhungen vollständig verdaut oder vom Tisch sind, dürfte auch die Investmentnachfrage massiv anspringen. Derzeit machen Goldanlagen lediglich 5,5 Prozent der globalen Aktien- und Anleihemärkte aus. Die Analysten der Bank of America sehen hier enormes Aufholpotenzial, insbesondere da sich bei institutionellen Anlegern ein Wandel vom klassischen 60:40-Portfolio hin zu einer 60:20:20-Struktur abzeichnet, in der alternative Absicherungen wie Gold ein deutlich größeres Gewicht erhalten.
Für weitsichtige Rohstoffinvestoren zeichnet der Bericht damit ein klares Bild: Die kurzfristige, zinspolitisch bedingte Korrektur überlagert lediglich ein massives, strukturelles Aufwärtspotenzial.
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