ANATOMY OF PRESENCE
Für die Ausstellung ANATOMY OF PRESENCE entstehen eigens für das SCHAUWERK Sindelfingen neu konzipierte, großformatige Werke, die rund 3000 m² des Museums transformieren: von begehbaren organischen Strukturen, über eindrückliche Klangwelten bis zu immersiven Lichtinstallationen. Die drei Künstler:innen treten in einen direkten Dialog mit dem menschlichen Körper und verwandeln das SCHAUWERK in eine vibrierende Landschaft sinnlicher, individueller und kollektiver Erfahrungen. Damit stehen sie in einer Tradition der Installationskunst, die sich in Brasilien seit den 1960er Jahren als eigenständige Form entwickelte, geprägt von modernistischen Einflüssen, kultureller Vielfalt und einer besonderen Unmittelbarkeit in der physischen Wahrnehmung. In einer zunehmend virtuellen Welt setzt die Ausstellung einen deutlichen Kontrapunkt: Sie lädt Besucher:innen zu einem Parcour ein, um die eigene Körperlichkeit und die Umgebung bewusst wahrzunehmen.
Vivian Caccuri (*1986 in São Paulo) entwickelt eine einnehmende Rauminstallation, die aus einem in sich geschlossenen energetischen Kreislauf aus Klang, Flammen und unterschiedlichen Materialien besteht. Sie hinterfragt, inwieweit unsere Erfahrungen kulturell geprägt oder universale, körperliche Resonanzen sind. Die skulpturale Soundinstallation Gatonet ist inspiriert von den improvisierten Arrangements von Strom- und Datenkabeln in brasilianischen Städten – chaotisch und dennoch funktional. Aus Lautsprechern erklingen tieffrequente Rhythmen, die Kerzenflammen in Bewegung versetzen: Das Werk wird körperlich wie visuell spürbar. Zwei große Tapisserien hängen wie poröse Membranen im Raum, greifen die unsichtbaren Wellenformen der Synthesizer als schwebende Gesten auf.
Lucia Koch (*1966 in Porto Alegre) untersucht mit Licht, Farbe und architektonischer Intervention räumliche Wahrnehmungen. In der Ausstellung verwandelt sie das 15 Meter hohe ehemalige Hochregallager mit Farbfolien und Lichtprojektionen in eine immersive Licht- und Farbinstallation. Koch versteht ihre aus Projektoren komponierten Ensembles als „Menschen“: Die projizierten Farbflächen wirken wie bewegte Schatten, die in einer von der Künstlerin entwickelten Choreografie einen kontinuierlichen Farbverlauf bilden und den Raum permanent transformieren. Bereits am Museumseingang empfängt ein an Sonnenaufgang, Dämmerung und Sonnenuntergang erinnerndes, atmosphärisches Werk die Besucher:innen.
Henrique Oliveira (*1973 in Ourinhos, São Paulo) entwickelt für das SCHAUWERK eine zentrale Installation von architektonischem Ausmaß, die in ihrem Inneren einen kleineren Ausstellungsraum umschließt. Dabei untersucht Oliveira das Zusammenspiel von Behälter, Inhalt und materieller Transformation. Oliveiras charakteristische organische Konstruktionen bestehen aus wiederverwertetem Sperrholz, das in Brasilien häufig als Baumaterial in den Favelas dient. Die Installation entsteht vollständig vor Ort. Ihre geschwollenen, wurzelartigen Formen scheinen in ihrer dominanten physischen Präsenz das metallische Gerüst der ehemaligen Produktionshalle fast zu sprengen.
THE SCHAUFLER FOUNDATION SCHAUWERK Sindelfingen
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