Blutdruckmessgerät-Genauigkeit: Vier von fünf Bestsellern sind ungeprüft
Die Zahlen dazu stammen aus einer Untersuchung im Fachjournal JAMA. Ein Forschungsteam verfolgte über ein Jahr hinweg alle acht Wochen die Bestsellerlisten für Blutdruckmessgeräte beim größten Onlinehändler in zehn Ländern, darunter Deutschland, und verglich sie mit den internationalen Verzeichnissen validierter Geräte. Das Ergebnis: 79 Prozent der gelisteten Oberarmgeräte und 84 Prozent der Handgelenkgeräte waren nicht validiert, hatten also keine veröffentlichte klinische Prüfung gegen ein Referenzverfahren. Die Kundenbewertungen halfen dabei nicht weiter – geprüfte und ungeprüfte Oberarmgeräte kamen im Median auf dieselben 4,5 von 5 Sternen. Woran sich die Genauigkeit eines Blutdruckmessgeräts tatsächlich erkennen lässt, ordnet BPER im Ratgeber ein.
Für Deutschland gibt es dafür eine öffentliche Liste. Die Deutsche Hochdruckliga vergibt ein Prüfsiegel für Blutdruck-Selbstmessgeräte und führt die ausgezeichneten Modelle in einem laufend fortgeschriebenen Verzeichnis; die ältesten Einträge reichen bis 2005 zurück. Das Siegel setzt eine klinische Prüfung an mindestens 96 Personen aus drei Altersgruppen voraus, zur Hälfte Frauen; bei Handgelenkgeräten kommen zwanzig Menschen mit Diabetes hinzu. Der Preis ist dagegen kein Hinweis: In der JAMA-Auswertung waren die nicht validierten Geräte im Median die günstigeren.
Der zweite Punkt betrifft nicht das Gerät, sondern die Manschette. Eine randomisierte Studie im Fachjournal JAMA Internal Medicine ließ 195 Erwachsene in wechselnder Reihenfolge einmal mit der für sie passenden und einmal mit einer Standardmanschette messen. Wer eine große Manschette gebraucht hätte, erhielt mit der Standardgröße einen um 4,8 mmHg zu hohen systolischen Wert; wer eine extragroße gebraucht hätte, einen um 19,5 mmHg zu hohen. Umgekehrt fiel der Wert bei Menschen mit dünnen Oberarmen um 3,6 mmHg zu niedrig aus. Das Gerät war in allen Fällen dasselbe – geändert hatte sich nur die Manschette.
Praktisch folgt daraus ein Handgriff vor der ersten Messung: den Umfang des Oberarms messen und die Manschette danach auswählen. Die Deutsche Hochdruckliga nennt dazu die Faustregel, dass die Oberarmmanschette höchstens zwei Drittel des Oberarms bedecken soll. Sie weist außerdem darauf hin, dass die Gefäßquerschnitte am Handgelenk kleiner sind und Messfehler dort bei verhärteten Gefäßen schneller auftreten. Welcher Arm der richtige ist, steht im Ratgeber zur Wahl zwischen rechtem und linkem Arm; wie die Manschette richtig sitzt, ist dort ebenfalls beschrieben.
„Der Unterschied zwischen Schätzen und Messen ist keine Feinheit. Er entscheidet darüber, ob eine Zahl belastbar ist oder nur plausibel aussieht", sagt P. Lu, Geschäftsführer von BPER.
Eine Manschettenmessung hat gegenüber rechnerischen Verfahren den Vorteil, dass sie den Druck selbst erzeugt, gegen den sie misst – vorausgesetzt, die Manschette passt und liegt richtig an. BPER zeichnet den Blutdruck manschettenbasiert über 60 Sekunden kontinuierlich auf und erfasst dabei bis zu 14.400 Datenpunkte je Messung: systolische und diastolische Werte in mmHg sowie Auffälligkeiten des Herzrhythmus. Das Gerät ist ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIa, das Messverfahren wurde in Deutschland entwickelt.
Zur Verfügbarkeit: Der BPER Blutdruck-Ereignisrekorder ist über bper.health erhältlich, die App für iOS und Android ist kostenfrei, ebenso der Versand innerhalb Deutschlands; es gilt ein Rückgaberecht von 30 Tagen. Messwerte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Als Grenze für die häusliche Selbstmessung gelten 135/85 mmHg; bei stark erhöhten Werten zusammen mit Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot oder Sehstörungen ist der Notruf 112 zu wählen. Bestehende Medikation sollte nie eigenmächtig auf Grundlage von Heimmessungen verändert werden.
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