Rückenbeschwerden verursachen in Büroberufen nur 0,64 Fehltage im Jahr: Die Techniker Krankenkasse zeigt, wo die Wirbelsäule wirklich krank macht
Die Kasse stützt ihren Bericht auf Daten von rund 6,2 Millionen beschäftigten oder arbeitslos gemeldeten Mitgliedern, ausgewertet vom Göttinger aQua-Institut. Alle Werte sind nach Alter und Geschlecht standardisiert, damit Berufsgruppen mit unterschiedlicher Altersstruktur vergleichbar bleiben.
Zwei Kennzahlen trennen Büroberufe von körperlicher Arbeit
Die erste Kennzahl ist die Gesamtfehlzeit. Nach Angaben der TK war jede versicherte Erwerbsperson 2025 im Schnitt 18,5 Tage krankgeschrieben, 0,53 Tage weniger als 2024. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems trugen 2,6 Fehltage oder 14,1 Prozent der Fehlzeiten bei und belegten damit den dritten Rang hinter Atemwegserkrankungen und psychischen Störungen. Die Fehlzeiten mit diesen Diagnosen sinken seit 2024 wieder, nachdem sie 2023 erstmals seit 2015 gestiegen waren.
Die zweite Kennzahl ist die Streuung nach Berufsfeld. Auf 100 Versicherungsjahre kamen der TK zufolge 2025 insgesamt 1.854 Arbeitsunfähigkeitstage, davon 262 mit Muskel-Skelett-Diagnosen und 125 mit Rückenbeschwerden im weiteren Sinn. Zwischen den Berufsfeldern mit den höchsten und den niedrigsten Rückenwerten liegt laut dem Bericht der Faktor 4,7. Rückenschmerzen als Einzeldiagnose machten 4,2 Prozent aller Fehltage aus.
Welche Berufsfelder die meisten Rückentage melden
Die Rangfolge folgt der körperlichen Belastung.
Sieben Berufsfelder zeigen die Spanne der Fehltage wegen Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens je 100 Versicherungsjahre im Jahr 2025:
Die Zahlen widerlegen ein verbreitetes Bild. Wer den ganzen Tag sitzt, mag über Verspannungen klagen, krankgeschrieben wird er deswegen selten. Die TK ordnet Büroberufe ausdrücklich den Tätigkeiten mit eher geringen Krankenständen zu; die höchsten Werte finden sich bei Fahrzeugführern, Ausbauberufen und in der Metallerzeugung.
Was Krankenkassen 2024 in Bewegung am Arbeitsplatz investiert haben
Die Prävention erreicht weniger Betriebe als zuvor. Der GKV-Spitzenverband (Spitzenverband Bund der Krankenkassen) hat am 26. November 2025 mit dem Medizinischen Dienst Bund den Präventionsbericht 2025 vorgelegt. Laut diesem Bericht gaben die Krankenkassen 2024 rund 282 Millionen Euro für betriebliche Gesundheitsförderung aus, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der erreichten Betriebe sank dennoch um 5 Prozent auf 28.142, die der erreichten Beschäftigten um 6 Prozent auf 2.064.293. Insgesamt investierten die Kassen 686 Millionen Euro in Gesundheitsförderung und Prävention.
Ob ein Gerät für Bewegung am Arbeitsplatz zu diesen Leistungen zählt, ist eine häufige Frage. Die Voraussetzungen und Grenzen erklärt ein Beitrag zur Kostenbeteiligung der Krankenkasse an einem Schreibtischlaufband im selben Portal.
„Die Fehltage sagen, dass Büroarbeit den Rücken nicht in die Krankschreibung treibt. Sie sagen nicht, dass Sitzen gesund ist – wer sich im Büro bewegt, tut es für die Jahre nach dem Berufsleben, nicht für die Krankenstandsstatistik“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Warum Fehltage die Belastung im Büro nur zur Hälfte abbilden
Die Statistik zählt Arbeitsunfähigkeit, nicht Beschwerden. Ein Büroangestellter mit Nackenschmerzen arbeitet meist weiter, ein Lagerarbeiter mit derselben Diagnose kann es oft nicht. Der niedrige Wert der Büroberufe misst also auch, wie gut sich Schreibtischarbeit mit einem schmerzenden Rücken fortsetzen lässt. Die TK weist zudem darauf hin, dass Rückenbeschwerden selten eine eindeutige organische Ursache haben.
Für den Herbst 2026 bleibt damit ein Befund und eine Lücke. Der Befund: Nach der vorläufigen Auswertung der TK vom 27. Januar 2026 sanken die Fehltage wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen von 2,71 im Jahr 2024 auf 2,62 im Jahr 2025, der Trend zeigt nach unten. Die Lücke: Die betriebliche Gesundheitsförderung erreicht laut Präventionsbericht nur noch gut zwei Millionen Beschäftigte, bei rund 45,6 Millionen Erwerbstätigen, die das Statistische Bundesamt für das erste Quartal 2026 zählt. Der größte Teil der Bewegung im Büro bleibt Privatsache.
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