IWiG – Welche Fehler beheben Sie zuerst – und warum?

Impulse aus Forschung, Wissenschaft und Praxis – Innovationen im klinischen Workflow-Management

In komplexen Organisationen wie Kliniken entstehen täglich zahlreiche Abweichungen im Arbeitsablauf. Doch nicht jeder Fehler hat die gleiche Bedeutung. Manche verursachen nur geringe Reibungsverluste, andere beeinträchtigen Qualität, Sicherheit oder Effizienz erheblich. Die zentrale Frage lautet daher: Welche Probleme verdienen zuerst unsere Aufmerksamkeit?

Die Antwort liefert eine strukturierte Priorisierung. Denn Verbesserungsarbeit wird erst dann wirksam, wenn sie sich auf die Ursachen konzentriert, die den größten Einfluss auf das Gesamtergebnis haben. Genau hier setzt die Fehler-Möglichkeits- und Einfluss-Analyse (Failure Mode and Effects Analysis – FMEA) an.

Die FMEA ist ein etabliertes methodisches Instrument, um potenzielle Fehler systematisch zu identifizieren, ihre Ursachen zu analysieren und die möglichen Auswirkungen zu bewerten. Prozesse werden dabei nicht nur dokumentiert, sondern kritisch hinterfragt: Wo treten Fehler auf? Wie häufig kommen sie vor? Welche Folgen haben sie für Patientenversorgung, Qualität und Wirtschaftlichkeit?

Damit wird die FMEA zu einem Reifegradmonitor für Prozesse. Sie zeigt, an welchen Stellen Abläufe stabil funktionieren – und wo strukturelle Risiken bestehen.

Ein zentrales Element der Methode ist die Risikoprioritätszahl (RPZ). Sie ergibt sich aus der Bewertung von drei Faktoren: Eintrittswahrscheinlichkeit, Bedeutung der Fehlerfolgen und Entdeckungswahrscheinlichkeit. Durch die Multiplikation dieser Bewertungsgrößen entsteht ein klarer Indikator dafür, welche Risiken zuerst adressiert werden sollten. Diese Priorisierung ist entscheidend. Verbesserungsmaßnahmen sollten sich zunächst auf jene Fehler konzentrieren, die aus Sicht der Beteiligten besonders schwerwiegend sind, häufig auftreten oder erst spät erkannt werden. Werden genau diese Schwachstellen gezielt bearbeitet, entstehen schnell sichtbare Verbesserungen im Prozess.

Im Workflow-Management wird die FMEA daher nicht nur als Qualitätsinstrument genutzt, sondern auch als Werkzeug zur Priorisierung von Verschwendung in Arbeitsabläufen. Tätigkeiten wie unnötig suchen, laufen, telefonieren, nachfragen, warten, etwas holen, doppelt machen oder korrigieren sind häufig Symptome tieferliegender Prozessprobleme. Werden deren Ursachen systematisch analysiert und priorisiert, lassen sich Abläufe nachhaltig verbessern.

Fazit: Erfolgreiche Organisationen versuchen nicht, alle Probleme gleichzeitig zu lösen. Sie konzentrieren sich auf die richtigen. Die FMEA schafft dafür eine klare Entscheidungsgrundlage und hilft Kliniken, Verschwendung gezielt zu reduzieren, Risiken zu minimieren und Prozesse Schritt für Schritt robuster und effizienter zu gestalten.

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