Struktureller Wandel in der Physiotherapie: Abrechnungsdaten zeigen veränderte Versorgungsstruktur und steigende Durchschnittskosten
NOVENTI, ein führendes Abrechnungs- und Softwareunternehmen im deutschen Gesundheitswesen, stellt in seinem NOVENTI Rezept-Report 2025 eine aktuelle Auswertung anonymisierter Abrechnungsdaten zu physiotherapeutischen Heilmittelleistungen für die Jahre 2022 bis 2025 vor. Die Analyse zeigt eine klare strukturelle Entwicklung innerhalb der physiotherapeutischen Versorgung: Während sich die Versorgungsstruktur im Zeitverlauf sichtbar verändert, bleiben die gesamten Bruttokosten annähernd stabil. Dies weist auf eine zunehmende strukturelle Verdichtung innerhalb der Versorgung hin. In der Folge steigen die durchschnittlichen Kosten je Leistung signifikant.
Entwicklung der Kostenstruktur
Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg zeigen die Abrechnungsdaten eine stabile Entwicklung der Bruttokosten bei gleichzeitig erkennbaren strukturellen Veränderungen innerhalb der physiotherapeutischen Versorgung. Im betrachteten Leistungszeitraum blieben die Bruttokosten therapeutischer Leistungen annähernd stabil – von 2,19 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 1,98 Milliarden Euro im Jahr 2025. Diese Entwicklung deutet auf eine strukturelle Veränderung innerhalb der Versorgung hin.
Steigende Durchschnittskosten je Leistung
Die Auswertung zeigt einen Anstieg der durchschnittlichen Kosten je therapeutischer Leistung um rund 9 Prozent im Betrachtungszeitraum. Während die durchschnittlichen Kosten je Leistung im Jahr 2022 noch bei rund 148 Euro lagen, betragen sie im Jahr 2025 bereits rund 161 Euro. Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende Fallkomplexität, veränderte Leistungszuschnitte sowie auf strukturelle Kapazitätsengpässe in der Versorgung hin. Gleichzeitig können auch Vergütungsanpassungen und veränderte Abrechnungsstrukturen dazu beitragen.
Mark Böhm, Vorstandsvorsitzender NOVENTI Health SE: „Steigende Durchschnittskosten bei gleichzeitig veränderter Versorgungsstruktur sind ein deutliches Signal für zunehmenden Druck im Versorgungssystem.“
Strukturverschiebung innerhalb der physiotherapeutischen Versorgung
Innerhalb der betrachteten 13 physiotherapeutischen Leistungspositionen[1] zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Versorgungsstruktur. Der Anteil der Krankengymnastik am Gesamtvolumen steigt von 56,9 Prozent im Jahr 2022 auf 59,6 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Manuellen Therapie von 15,6 Prozent (2022) auf 14,6 Prozent (2025) sowie der Hausbesuche von 10,5 Prozent auf 9,2 Prozent. Die Manuelle Lymphdrainage bleibt mit 8,7 Prozent (2022) und 8,6 Prozent (2025) weitgehend stabil, während physikalische Therapieformen von 8,4 Prozent auf 8,0 Prozent leicht zurückgehen.
Diese Entwicklung weist auf eine zunehmende Fokussierung innerhalb der physiotherapeutischen Versorgung hin. Da Heilmittelverordnungen innerhalb von neun Monaten nach Abschluss der Behandlung zur Abrechnung eingereicht werden müssen, ist davon auszugehen, dass für das Jahr 2025 noch nicht alle Leistungen vollständig erfasst sind. Gleichwohl zeigt sich über alle vier Jahre hinweg eine klare strukturelle Entwicklung hin zu mehr abgerechneten Leistungen in der Krankengymnastik.
GKV-Ausgaben für Heilmittel steigen
Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands stiegen die bundesweiten Ausgaben für Heilmittel von 10,95 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 13,30 Milliarden Euro im Jahr 2024 – ein Plus von 21,46 Prozent[2]. Für das erste bis dritte Quartal 2025 weist der GKV-Spitzenverband Ausgaben in Höhe von 10,93 Milliarden Euro aus. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg von 9,98 Prozent. Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende Dynamik im Heilmittelbereich bei gleichzeitig strukturellen Veränderungen innerhalb der Versorgung.
Im Spannungsfeld gesellschaftlicher Trends
Die Ergebnisse stehen im Spannungsfeld langfristiger gesellschaftlicher Entwicklungen wie dem demografischen Wandel und der steigenden Prävalenz chronischer Erkrankungen. Der Bedarf an physiotherapeutischer Versorgung nimmt langfristig zu, während sich die Versorgungsstruktur sichtbar verschiebt. Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende Dynamik im Heilmittelbereich bei gleichzeitig strukturellen Veränderungen innerhalb der Versorgung.
Mark Böhm: „Die Daten deuten auf eine schleichende Veränderung der physiotherapeutischen Versorgung hin. Ohne strukturelle Anpassungen besteht die Gefahr zunehmender Wartezeiten und einer weiteren Verschiebung der Versorgungslast.“
Datenbasis:
Die vorliegende Auswertung basiert auf anonymisierten, aggregierten Abrechnungsdaten von NOVENTI aus dem Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu physiotherapeutischen Heilmittelleistungen nach der jeweils gültigen Heilmittel-Richtlinie im Zeitraum 2022 bis 2025. Ausgewertet wurden Bruttokosten und strukturelle Verteilungen auf Positionsebene. Für aggregierte Vergleiche wurden ausschließlich über den gesamten Zeitraum konsistent abrechenbare Leistungspositionen berücksichtigt. Die Analyse bildet die Entwicklung innerhalb des bei NOVENTI verfügbaren Datenbestands ab. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität für den gesamten deutschen Heilmittelmarkt, ermöglicht jedoch belastbare Einblicke in strukturelle Entwicklungen innerhalb der physiotherapeutischen Versorgung.
NOVENTI rechnete im Jahr 2025 rund 7,7 Millionen Verordnungen im Bereich Physiotherapie ab.
Zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit wurden für zeitliche Gegenüberstellungen ausschließlich Leistungspositionen herangezogen, die über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg konsistent abrechenbar waren. Neue, geänderte oder pauschalierte Abrechnungspositionen – insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung der Blankoverordnung im November 2024 – wurden bei der Interpretation berücksichtigt und nicht rückwirkend auf frühere Zeiträume übertragen. Telemedizinische Leistungen sowie pandemiebedingte Sonderpositionen fließen nicht in die aggregierten Vergleichswerte ein.
[1] Für die Analyse wurden ausschließlich 13 über den gesamten Zeitraum konsistent abrechenbare Leistungspositionen berücksichtigt, um eine belastbare Vergleichbarkeit sicherzustellen. Diese umfassen Leistungen der Krankengymnastik inkl. neurologischer Behandlungsformen, der Manuellen Therapie, der Manuellen Lymphdrainage, der Hausbesuche sowie ausgewählter physikalischer Therapieformen (u. a. Wärme-, Elektro- und Ultraschallanwendungen). Neu eingeführte, ausgelaufene oder inhaltlich wesentlich veränderte Abrechnungspositionen sowie Einmal- oder Sondereffekte wurden nicht berücksichtigt.
[2] GKV-Kennzahlen: https://www.gkv-spitzenverband.de/…
NOVENTI ist der führende Anbieter von Software, Finanzdienstleistungen und digitalen Plattformen im deutschen Gesundheitsmarkt. Mit den Dienstleistungen und Produkten in den Bereichen Abrechnung, Warenwirtschaft und Branchensoftware steht NOVENTI sämtlichen Leistungserbringerinnen und Leistungserbringern des Gesundheitswesens mit Professionalität und Expertise zur Seite. Dazu zählen unter anderem Apotheken, Arztpraxen, Physiotherapiepraxen, Sanitätshäuser und Pflegedienste sowie deren Kundinnen und Kunden bzw. Patientinnen und Patienten. NOVENTI begleitet seine Kundinnen und Kunden in digitalen Transformationsprozessen wie dem E-Rezept, bietet hybride Lösungen und vernetzt sowohl die Dienstleisterinnen und Dienstleister im Gesundheitsmarkt als auch die Menschen miteinander, um damit die Zukunftsfähigkeit der Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer zu sichern. Seit der Gründung im Jahre 1900 als Interessenvertretung von Münchner Apotheken ist NOVENTI bis heute ein apothekereigenes Unternehmen. Einziger Gesellschafter der NOVENTI Group ist der FSA e. V., der rund 3.000 Apothekerinnen und Apotheker zu seinen Mitgliedern zählt. NOVENTI mit Hauptsitz in München beschäftigt rund 1.900 Mitarbeitende und erzielt einen Abrechnungsumsatz von über 30 Mrd. Euro.
Vorstand: Mark Böhm (Vorstandsvorsitzender) I Frank Steimel (stellv. Vorstandsvorsitzender)
Weitere Informationen: www.noventi.de | NOVENTI – Mehr Zeit für Gesundheit
NOVENTI Health SE
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