Gemeinsame Dienststelle der beiden adventistischen Verbände in Deutschland eingeweiht
Andacht von Johannes Naether (Norddeutscher Verband)
In seiner Andacht betrachtete Johannes Naether, Präsident des Norddeutschen Verbandes der Freikirche, das Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Leben eines Menschen und übertrug deren Wechselwirkung auch auf das Leben einer Kirche. So sei im Dezember 2020 von den obersten Leitungsgremien der adventistischen Verbände in Deutschland die Entscheidung über eine gemeinsame Dienststelle in Darmstadt getroffen worden. Die dafür notwendigen Arbeiten zogen sich bis in die Gegenwart hinein und werden auch die Arbeit der Kirche in der Zukunft betreffen. Er wies auf den alttestamentlichen, jüdischen Statthalter Nehemia hin, der das von den Babyloniern zerstörte Jerusalem wiederaufbaute. Dies gelang ihm, weil die gütige Hand Gottes über ihm war (vgl. Nehemia 2,18). „Realisieren wir, dass wir durch unser Handeln Gottes Wirkung spüren? … Ich möchte erfahren, egal ob in der Gegenwart oder in der Zukunft, dass die gnädige Hand Gottes über mir ist“, so Johannes Naether.
Historischer Rückblick von Werner Dullinger (Süddeutscher Verband)
Anschließend gab Werner Dullinger, Präsident des Süddeutschen Verbandes der Freikirche, einen Einblick in die Vorgeschichte der gemeinsamen Dienststelle der Verbände. Diese hängt eng mit der Entwicklung der Organisationsstruktur der Freikirche in Deutschland zusammen. Nach der Wiedervereinigung schlossen sich der Ost- und der Westdeutsche Verband zum Norddeutschen Verband zusammen. In den 1990er- und 2000er-Jahren gab es mehrfach Versuche, einen gemeinsamen adventistischen Verband in Deutschland zu bilden, was aber an fehlenden Mehrheiten bei den Delegiertenversammlungen scheiterte. Im Jahr 2013 wurde eine verstärkte Zusammenarbeit der Verbände beschlossen. Dies führte unter anderem zur Einrichtung gemeinsamer Abteilungen, die für beide Verbände zuständig waren (z.B. Finanzen, Verwaltung, Jugendarbeit, Kommunikation etc.). Die Entscheidung für einen gemeinsamen Bürostandort sei „ein starkes und sichtbares Signal, dass wir gemeinsam stärker sind“, so Dullinger. Die adventistische Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) signalisierte im April bei der Frühjahrstagung ihres obersten Leitungsgremiums (Exekutivausschuss) ihre Unterstützung für einen Zusammenschluss der beiden adventistischen Verbände zu einem gemeinsamen Verband in Deutschland (siehe APD-Meldung vom 16. April). Auf der Delegiertentagung der Verbände vom 21.–24. Mai 2027 in Erfurt wird eine Entscheidung darüber auf der Tagesordnung stehen.
Grußworte von Kirchenvertretern
Bei der Einweihungsfeier waren auch Vertreter anderer Kirchen anwesend, die Grußworte sprachen. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland, der Anglikaner Reverend Christopher Easthill, reflektierte über die Herausforderung eines Kirchenumzugs an sich und sagte, so etwas sei ein historischer, mutiger Schritt und gratulierte dazu. Er dankte für das Engagement der Adventisten als Gastmitglied der ACK seit 1993. James Ros, Mitglied im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden und Vorstandsmitglied der Vereinigung evangelischer Freikirchen (VeF), betonte, dass die Adventisten von der VeF als wichtige Stimme wahrgenommen würden. Er hob ihre Liebe zur Bibel, ihr soziales Engagement, ihre ganzheitliche Lebensweise und ihre Erwartung der Wiederkunft Christi hervor. Außerdem lobte er die vorbildliche Arbeit in der Prävention sexueller Gewalt und sagte abschließend: „Wir können in unserem Land noch mehr Adventgemeinden gut gebrauchen.“
Dr. Lothar Triebel, Leiter des Referats Freikirchen beim Konfessionskundlichen Institut (Bensheim), lobte die gute Arbeitsbeziehung zwischen dem Institut und der Freikirche. Zusammenlegungen von Kirchenorganisationen würden meist eher aus Not geschehen, bei den Adventisten sei dies aber nicht so. Am Schluss regte er ein Fußballspiel von evangelischen gegen adventistische Pastoren an.
Auch der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) in Deutschland, Dr. Ralf Grünke, sprach freundliche Segenswünsche und überreichte als Gastgeschenk eine Nachbildung der Statue „Segnender Christus“ von Bertel Thorvaldsen.
Schließlich übermittelte Claude Richli, langjähriger, ehemaliger Mitarbeiter der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz), der seinen Ruhestand in Deutschland verbringt, die Gratulation der Generalkonferenz zur Eröffnung der neuen Dienststelle und ermutigte zum nächsten Schritt – dem offiziellen Zusammenschluss der Verbände.
Die Feierlichkeiten wurden durch Musikstücke von Ismael Grenz (Saxophon) und Nathanael Riedel (Klavier) bereichert. Am Ende sprach Wolfgang Schick, Finanzvorstand der beiden deutschen adventistischen Verbände, ein Segensgebet.
150 Jahre Adventisten in Deutschland
Die Eröffnung der gemeinsamen Dienststelle der Verbände fällt in das 150-jährige Kirchenjubiläum der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland. Mit dem Jubiläumsslogan „Mut für morgen“ will sie verdeutlichen, dass sie ihren Blick hoffnungsvoll nach vorn richtet. Am 8. Januar 1876 fand die erste adventistische Taufe in Deutschland zwischen Solingen und Vohwinkel statt. Im gleichen Jahr wurden die beiden ersten adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) in Solingen und Vohwinkel (heute ein Stadtteil von Wuppertal) gegründet. Derzeit zählt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland über 34.000 mündig getaufte Mitglieder in 544 Adventgemeinden und 32 registrierten Gruppen. Internet: www.adventisten.de
Adventistischer Pressedienst Deutschland APD
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