Wochenrückblick KW 28-2026 – Ein neues Hindernis taucht auf!
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die Börsen hatten sich gerade an neue Rekorde, sinkende Zinssorgen und die Rotation raus aus heiß gelaufenen KI-Werten gewöhnt. Doch in der vergangenen Woche tauchte ein neues Hindernis auf: Der Konflikt zwischen den USA und Iran flammte wieder auf – und mit ihm die Sorge, dass steigende Ölpreise die Inflation erneut anheizen könnten.
Zur Wochenmitte sorgten neue militärische Schläge zwischen den USA und Iran für Nervosität. Öl zog an, die Hoffnung auf eine stabile Waffenruhe bekam Risse, und die Märkte mussten eine alte Frage neu bewerten: Was passiert, wenn geopolitische Risiken nicht nur Schlagzeilen produzieren, sondern wieder an Tankstellen, in Frachtraten und Inflationsdaten sichtbar werden?
Panik kam trotzdem nicht auf. Offenbar setzt der Markt weiter darauf, dass am Ende Diplomatie statt Eskalation gewinnt. Donald Trump deutete an, dass Gespräche mit Teheran wieder aufgenommen werden könnten. Konkrete Fortschritte sind bislang allerdings nicht bestätigt.
Die Ölpreise reagierten dennoch deutlich. Für die Börse ist das entscheidend: Teureres Öl kann die Inflation wieder anschieben. Höhere Inflation wiederum begrenzt den Spielraum der US-Notenbank für Zinssenkungen – oder bringt im schlimmsten Fall sogar neue Zinserhöhungsfantasie zurück.
Genau hier liegt das eigentliche Problem der vergangenen Woche. Nicht Iran allein. Nicht Öl allein. Sondern die Kombination aus Geopolitik, Energiepreisen und Zinsen. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg wieder in den Bereich von rund 4,6 %. Gleichzeitig weitete sich der Abstand zu deutschen Bundesanleihen aus. Das stützte den US-Dollar gegenüber dem Euro und machte die Lage für Rohstoffe sowie Schwellenländer nicht einfacher.
An den Aktienmärkten blieb das Bild gemischt.
Technologie- und Halbleiterwerte schwankten stark. Seit mehreren Wochen ist eine Rotation zu beobachten: raus aus Teilen des KI- und Chipsegments, hinein in Gesundheitswerte, kleinere Unternehmen und Finanzwerte. Das ist noch kein klassisches Warnsignal für ein unmittelbar bevorstehendes Markttop. Im Gegenteil: Eine breitere Marktteilnahme kann sogar gesund sein. Aber im Sommer reichen bei dünneren Umsätzen kleinere Verkäufe oft aus, um größere Kursschwankungen auszulösen.
Und die Rohstoffe?
Gold konnte von der neuen Unsicherheit erstaunlich wenig profitieren. Eigentlich müsste ein Aufflammen der Spannungen im Nahen Osten dem Edelmetall Rückenwind geben. Doch diesmal blickten Anleger stärker auf die Zweitrundeneffekte: Steigende Ölpreise könnten Inflation und Renditen hochhalten. Genau das ist ungünstig für Gold, weil Gold keine laufenden Zinsen zahlt. Trotzdem hielt sich das Edelmetall robust über der symbolisch wichtigen Marke von 4.000,- USD je Unze.
Kupfer erlebte ebenfalls eine unruhige Woche. Zunächst belastete die neue Risikoaversion. Dann halfen ein zeitweise schwächerer Dollar und die Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten, womit der Kupferpreis mit einem Plus von rund 1,8 % ins Wochenende ging. Für Anleger bleibt Kupfer der ehrliche Konjunkturtest: Bleiben Weltwirtschaft, Stromnetzausbau, Rechenzentren, Elektromobilität und Infrastruktur robust, bleibt Kupfer strukturell gefragt. Bleiben die Zinsen dagegen zu lange zu hoch, wird auch Kupfer anfällig.
Fazit und Ausblick:
Nun richtet sich der Blick auf die kommende Woche. PepsiCo hat die Berichtssaison bereits eröffnet. Die große Bewährungsprobe kommt aber erst jetzt: Ab dem 14. Juli treten die US-Banken auf die Bühne. Dann wird sich zeigen, ob die Unternehmensgewinne die hohen Erwartungen rechtfertigen können.
Und diese Erwartungen sind anspruchsvoll. Viele Anleger rechnen mit stabilen Margen, solider Kreditqualität, widerstandsfähigem Konsum und weiterem Gewinnwachstum. Genau das macht die Berichtssaison gefährlich. Gute Zahlen könnten die Rally verlängern. Enttäuschungen dagegen dürften härter bestraft werden als sonst.
Parallel wird es makroökonomisch brisant. Die US-Inflationsdaten stehen an, und Fed-Chef Kevin Warsh muss vor dem Repräsentantenhaus und dem Senat zur Geldpolitik aussagen. Besonders wichtig: Warsh gilt als weniger mitteilsam als seine Vorgänger. Weniger klare Signale der Notenbank bedeuten für die Märkte aber nicht weniger Risiko – sondern mehr Interpretationsspielraum.
Damit steht die Börse vor einer entscheidenden Woche. Die Anleger müssen gleich drei Fragen beantworten: Bleibt die Inflation trotz Ölpreisanstieg beherrschbar? Können die Unternehmen ihre hohen Gewinnversprechen erfüllen? Und ist die Rotation aus KI und Halbleitern in Banken, Gesundheit, Nebenwerte und Rohstofftitel nur eine kurze Sommerlaune – oder der Beginn einer neuen Marktphase?
Für Rohstoffanleger könnte genau das spannend werden. Wenn Kapital aus überfüllten Technologiewetten herausfließt, sucht es neue Geschichten mit Substanz. Dann kommen Energie, Kupfer, Gold, Silber, Infrastruktur und ausgewählte Minenwerte wieder stärker ins Spiel.
Die Börse hat kein Verkaufssignal geliefert. Aber sie hat eine Warnlampe eingeschaltet. Die Rallye lebt weiter – nur der Weg wird holpriger. Was weiterhin für Rohstoffe und Rohstoff-Aktien spricht, lesen Sie gerne in unserem folgenden Beiträgen:
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