Die Klimakrise trifft vor allem die ländliche Bevölkerung. „Es regnet kaum noch. Viele Menschen ernten weniger und verlieren ihre Tiere und ihr Weideland. Gleichzeitig steigen die Lebensmittelpreise. Immer mehr Menschen wissen nicht mehr, wie sie sich und ihre Familien ernähren sollen", betont Farzaneh Nasimi*, Mitarbeiterin der Welthungerhilfe aus Kabul. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen. Sie sind weitgehend von weiterführender Bildung, vielen Berufen und großen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. „Die Hauptursache für Hunger ist die Arbeitslosigkeit. Nur die Hälfte der Gesellschaft kann überhaupt arbeiten, während Frauen ausgeschlossen sind. Das nimmt ihnen nicht nur die Zukunftsperspektiven, sondern verschärft die wirtschaftliche Not vieler Familien", unterstreicht Zarah Amiri*, Mitarbeiterin der Welthungerhilfe aus Zentralafghanistan.
Die sinkende internationale Finanzierung erschwert die Lage zusätzlich. Immer häufiger müssen Hilfsorganisationen ihre Programme auf akute Nothilfe konzentrieren und langfristige Maßnahmen zurückstellen. Die Folgen sind bereits deutlich sichtbar: Nach Angaben des Food Security and Agriculture Cluster (FSAC) erhielten im ersten Halbjahr rund 2,8 Millionen besonders gefährdete Menschen keine eigentlich geplante lebensrettende Nahrungsmittelhilfe. Gleichzeitig mussten langfristige Programme zur Unterstützung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stark eingeschränkt werden. Millionen Menschen erhalten weder Saatgut noch Dünger für die nächste Anbausaison. Dabei sind gerade Investitionen in klimaresiliente Landwirtschaft, Wassermanagement und lokale Märkte entscheidend, damit Menschen dauerhaft aus der Abhängigkeit herauskommen. „Afghanistan braucht weiterhin internationale Unterstützung – nicht nur, um akute humanitäre Not zu lindern. Genauso wichtig ist es, Lebensgrundlagen wiederherzustellen, die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise zu machen und Gemeinden dabei zu unterstützen, ihre Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen. Wer heute nur noch die dringendste Nothilfe finanziert, riskiert, dass morgen noch mehr Menschen auf Hilfe angewiesen sein werden", mahnt Jaclyn Dolski.
Die Welthungerhilfe in Afghanistan
Die Welthungerhilfe unterstützt die Menschen in Afghanistan seit 1981 und ist seit 1992 mit eigenen Strukturen im Land vertreten. Gemeinsam mit afghanischen Partnerorganisationen vor Ort verbindet sie humanitäre Nothilfe mit langfristigen Programmen zur Ernährungssicherung und Stärkung der Lebensgrundlagen. Dazu gehören unter anderem klimaresiliente Landwirtschaft, Wasser- und Bewässerungsmanagement, Einkommensförderung, Ernährung sowie die Stärkung lokaler Märkte.
Interviewangebot
Jaclyn Dolski, Programmdirektorin der Welthungerhilfe in Afghanistan, steht für Interviews in englischer Sprache zur Verfügung. Sie reist derzeit in den Norden Afghanistans. Dort spricht sie unter anderem mit Frauen, die trotz der schwierigen Rahmenbedingungen eigene Einkommen erwirtschaften, sowie – vorbehaltlich der Situation vor Ort – mit Rückkehrenden aus Pakistan und Iran über ihre Erfahrungen, Perspektiven und dringendsten Bedürfnisse. Für Interviews auf Deutsch steht Elke Gottschalk, Regionaldirektorin der Welthungerhilfe für Asien und Südamerika, zur Verfügung. Sie ordnet die aktuelle humanitäre Lage in Afghanistan, die Auswirkungen der internationalen Mittelkürzungen sowie die Herausforderungen und Perspektiven der langfristigen Unterstützung ein.
*Aus Sicherheitsgründen haben wir die Namen der nationalen Mitarbeiterinnen anonymisiert.
Weitere Informationen unter www.welthungerhilfe.de/presse
Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich mutig und entschlossen für eine Welt ohne Hunger ein. Seit ihrer Gründung am 14.12.1962 wurden 13.424 Auslandsprojekte in rund 72 Ländern und Gebieten mit 5,76 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.
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