Doppelte Ernte mit Heidelbeeren und Sonnenstrom – TEAG Solar nimmt Thüringens größte Agri-PV-Anlage in Betrieb
Thüringens Energieminister Tilo Kummer und TEAG-Vorstandschef Stefan Reindl haben heute bei Bad Klosterlausnitz Thüringens größte Agri-PV-Anlage in Betrieb genommen – und Heidelbeer-Setzlinge unter die Anlage gepflanzt.
Auf einer Fläche von rund 6,4 Hektar sind seit März 2026 knapp 12.000 PV-Module errichtet worden. Das Gelände direkt an der Autobahn A 4 war zuvor aufwendig bereinigt worden, da es sich um ein seit über 100 Jahren stark militärisch genutztes Areal handelte.
Ein Kampfmittelräumdienst sondierte und beräumte vor Baubeginn das Gelände tiefgründig – u.a. mussten über eine Tonne Handgranaten und Munitionsreste entsorgt werden.
Agri-PV „rettet“ wertvolles Ackerland
Bereits 2023 hatte der Projektpartner zupar.energie mit den Planungen für die Errichtung einer großen Freiflächen-PV-Anlage auf dem Gelände begonnen. 2024 stieg das TEAG-Tochterunternehmen TEAG Solar GmbH in die Zusammenarbeit ein – das Vorhaben sollte dabei ausdrücklich als sogenannte Agri-PV-Anlage ausgeführt werden. Hierbei sind die Photovoltaik-Module nicht in direkter Bodennähe installiert, sondern befinden sich auf Gestellen in rund drei bis vier Metern Höhe. Dadurch bleibt unter den PV-Modulen genug Platz für eine landwirtschaftliche Bearbeitung – diese Flächen sind bei herkömmlichen PV-Anlagen für eine Agrar-Nutzung nicht mehr zugänglich.
„Agri-PV-Anlagen schaffen einen doppelten Gewinn. Diese Anlage hier zeigt, wie wir an geeigneten Standorten in Thüringen Solarenergie erzeugen und gleichzeitig die Böden landwirtschaftlich weiter nutzen können“, erklärt Thüringens Energieminister Tilo Kummer. „Die Verschattung hat hier außerdem einen kühlenden Effekt für die angebauten Pflanzen, was gerade in den heißen und trockenen Sommermonaten immer wichtiger wird. Agri-PV-Anlagen sind an geeigneten Standorten deshalb eine sehr nachhaltige und zugleich wirtschaftliche Lösung."
Auch TEAG-Vorstandschef Stefan Reindl begrüßte die neue Art der Photovoltaiknutzung vor allem im Hinblick auf die stark landwirtschaftlich geprägten Regionen des Flächenlandes Thüringen.
„Gerade für die Agrarwirtschaft Thüringens kommt mit Agri-PV-Anlagen endlich eine Möglichkeit, die wertvollen Ackerflächen sowohl für Landwirtschaft als auch für eine sauber Stromgewinnung durch PV-Module gleichzeitig zu nutzen. Bisher gab es hier nur entweder – oder. Jetzt können zwei Ernten eingefahren werden. Die Stromernte und die Obst- und Gemüseernte. Wir sind sehr zufrieden, dass es uns gelungen ist, hier bei Bad Klosterlausnitz den ersten großen Ausbauschritt für diese neue Flächennutzung zu machen. Unter den Agri-PV-Modulen ist zudem auch landwirtschaftliche Tierhaltung möglich – ein weiterer Aspekt für bäuerliche Wirtschaftsbetriebe.“
Regionale Agrar-Partner kümmern sich um Bewirtschaftung und Verkauf der Obst- und Gemüseernte
Auf dem größten Teil der Ackerflächen unter den hohen Agri-PV-Modulen werden bis zu zehn Sorten Beerenfrüchte angebaut – vorrangig Heidelbeeren, aber auch Himbeeren, Johannisbeeren oder Brombeeren stehen auf dem Pflanzplan, ebenso kleine Apfelbäumchen. Insgesamt werden ca. 4.000 Pflanzen eingesetzt. Zur Bewirtschaftung der Anbauflächen wurde eigens die Rüdersdorfer Bio GmbH gegründet. Die Firma ist ein Tochterunternehmen der Rüdersdorfer Agrar GmbH, und hat seinen Sitz nur wenige Kilometer entfernt. Den kleineren Teil der Flächen nutzt die regionale Baumschule Zech aus Langenwetzendorf zur Saatgutgewinnung diverser heimischer Sträucher. Die Obsternte geht entweder in den lokalen BIO-Lebensmitteleinzelhandel in Hermsdorf, Bad Klosterlausnitz oder auch nach Erfurt.
Weiter gehen Teile des Ernteertrages an den Arbeiter Samariterbund ASB Saale-Holzlandkreis Bad Klosterlausnitz zur Nutzung in gastronomischen Einrichtungen des ASB. Besonders erwähnenswert: der ASB unterstützt mit seinen Holzlandwerkstätten als inklusive Initiative auch bei der Ernte und Bewirtschaftung der Anbauflächen.
Bad Klosterlausnitz und Nachbargemeinde Olberndorf sollen vom Photovoltaik-Ertrag finanziell profitieren
Die Agri-PV-Anlage Bad Klosterlausnitz leistet eine Einspeisung von knapp sieben Gigawattstunden pro Jahr in das öffentliche Stromnetz. Damit können rund 2.300 Haushalte ihren Stromverbrauch abdecken – rechnerisch ergibt sich so eine CO2-Emissionseinsparung von fast 2.600 Tonnen jährlich. Betreiber der PV-Anlage ist die TEAG Solar GmbH. Von der EEG-Stromeinspeisung sollen die Gemeinde Bad Klosterlausnitz und der Nachbarort Olberndorf auch finanziell profitieren. Beabsichtigt ist pro eingespeiste Kilowattstunde eine freiwillige Umlage von 0,2 Cent für die Gemeinden. Über eine Laufzeit der Anlage von mindestens 20 Jahren würden so 280.000 Euro in die Haushaltskasse der beiden Kommunen fließen.
Folgende Obstsorten werden auf der Agri-PV-Anlage Bad Klosterlausnitz angebaut:
Heidelbeeren, Johannisbeeren (weiß, rot, schwarz), Himbeeren, Mai-/Haskapbeeren, Aronia, Jochelbeere, Brombeere, Taybeeren, Boysenbeeren, Schattenmorelle und kleinere Äpfel.
Hintergrund TEAG Solar
Die TEAG Solar GmbH mit Sitz in Erfurt ist ein 100%iges Tochterunternehmen der kommunalen TEAG Thüringer Energie AG. Mit über 50 Mitarbeitern kümmert sich die TEAG Solar GmbH um Planung, Bau, Betrieb und Unterhaltung von Großflächen-PV-Anlagen und Speicherlösungen. Zielgruppen sind Kunden und Interessenten aus Industrie, Gewerbe, der kommunalen Verwaltung, Stadtwerke und Energieversorger sowie landwirtschaftliche Betriebe. Der Aktivitäten der TEAG Solar umfassen Thüringen und die angrenzenden Bundesländer (Mitteldeutschland). In den kommenden drei Jahren sind von der TEAG Solar PV-Investitionen von 35 Mio. Euro geplant. Aktuell verfügt das Unternehmen über ein PV-Portfolio von 60 MWpeak. Bis Ende 2027 soll das Portfolio auf 125 MWpeak ausgebaut werden.
TEAG Thüringer Energie AG
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