Das Smartphone als Folterinstrument

Jeder dritte Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren gibt an, dass in seinem Bekanntenkreis schon mal jemand im Internet oder per Handy fertiggemacht wurde. Jugendliche Opfer von Cybermobbing machen einen Großteil der Patienten in psychotherapeutischen Praxen aus. Und trotzdem teilen Heranwachsende in den Sozialen Medien relativ sorglos die privatesten Dinge. Petra Wüllenwebers Schauspiel „Netboy“ zeigt, wie durch blindes Vertrauen im Netz aus unverfänglichen Freundschaften lebensbedrohliches Cybermobbing werden kann. Mit diesem brisanten Stück wird die Saison im Jungen Theater in der BOXX eröffnet – Premiere ist am 29. September um 20 Uhr. Regie führt Adewale Teodros Adebisi, der in Heilbronn bereits „Krieg – stell dir vor, er wäre hier“, „Kriegerin“ und „Der gute Mensch von Sezuan“ inszeniert hat.

Zum Inhalt
Das Leben könnte so schön sein. Marie ist in der Klasse beliebt und wird zur Klassensprecherin gewählt. Aber ausgerechnet ihre beste Freundin Sarah kann sich nicht so richtig mitfreuen, weil sie selbst gern gewählt worden wäre. Wieder mal zieht sie den Kürzeren. Olaf nervt, er scheint nicht zu begreifen, dass Marie nichts von ihm will, und jetzt noch das: Ihr Vater will mit seiner neuen Flamme nach Berlin ziehen!
Schlechtgelaunt zieht sie sich ins Internetforum MeetYou zurück. Dort nennt sie sich Sunrain und kann all ihren Frust mit anderen teilen. Gerade erst hat sie eine Freundschaftsanfrage von einem 15jährigen Typen aus der Schweiz erhalten: Netboy. Wer er ist, wie er aussieht? Keine Ahnung! Aber es lässt sich super mit ihm chatten. Er ist schlau, hat immer ein Zitat von Kafka auf Lager, und er interessiert sich für Marie, will alles von ihr wissen. Ihre Mutter versteht überhaupt nicht, dass Marie sich lieber mit ihrem virtuellen Freund trifft, statt mit Gleichaltrigen aus Fleisch und Blut.
Netboy meint, sie soll nicht nur meckern, sondern etwas unternehmen. Sie soll sich nicht mehr gefallen lassen, dass die Chemielehrerin die Klasse schikaniert und willkürlich schlechte Zensuren verteilt. Sunrain soll ihr eine Lehre erteilen …
Das Mädchen lässt sich zu einem Streich hinreißen, den sie schon bald bitter bereut. Denn jemand hat sie dabei beobachtet und fotografiert. Von diesem Tag an macht Netboy dem Mädchen das Leben zur Hölle. Er erpresst sie und droht, allen das Foto zu zeigen, wenn sie nicht tut, was er will. Wer um alles in der Welt ist dieser Netboy? Und warum macht er das?

Mobbing im Internet – Es gibt kein Entkommen
Petra Wüllenwebers Jugendstück „Netboy“ wurde 2013 in Potsdam uraufgeführt. Es ist bereits das dritte Stück der Autorin, das in Heilbronn auf den Spielplan kommt. Im Jungen Theater war schon ihr Stück „Hinterm Horizont“ zu sehen. Und ihre Jugendtheateradaption von „Zweier ohne“ nach Dirk Kurbjuweit wurde für den FAUST-Preis nominiert und war in der Endauswahl des niederländisch-deutschen Theaterpreises Kaas und Kappes.
Mobbing hat es schon immer gegeben. Cybermobbing stellt jedoch eine völlig neue Gewaltdimension dar, die die Grenzen des „klassischen“ Mobbings sprengt. Es findet rund um die Uhr statt, und es gibt für das Opfer im World Wide Web kein Entkommen, die Ausbreitung der Verleumdungskampagnen vollzieht sich rasend schnell. Es gibt keine Grenzen. Sie verfolgen die Opfer bis in die geschützten Räume des Zuhauses. Gleichzeitig ist die Hemmschwelle für Täter niedriger, sie können sich virtuelle Identitäten zulegen und im Verborgenen agieren. Das Smartphone ist ihr „Folterinstrument“ in einem Machtspiel mit häufig schlimmen Konsequenzen.
Cybermobbing gibt es in allen Schichten. Eltern merken oft nichts, weil sie die Symptome mit den Anzeichen der Pubertät verwechseln.

Regisseur: Einziger Schutz ist Aufklärung von Opfern und Tätern
Natürlich soll die Inszenierung Jugendliche vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit den Sozialen Medien warnen. Aber noch mehr soll sie darüber aufklären, was Cybermobbing mit Menschen macht, meint Adewale Teodros Adebisi. Empathie mit den Opfern zu erzeugen, könnte ein Weg sein, potentielle Täter davon abzuhalten, meint der Regisseur. Opfer hingegen müssen wissen, dass sie den Tätern am ehesten begegnen können, wenn sie nicht auf die Angriffe reagieren. Sie dürfen sich nicht schämen und aus falschen Schuldgefühlen isolieren.

Bühnenbild ist begehbarer Chatroom
Ausstatterin Jessica Rockstroh verwandelt die Bühne der BOXX in einen begehbaren Chatroom, der aber auch gleichzeitig Wohnzimmer und Klassenraum sein kann. Über Videoeinspielungen von Nikolai Stiefvater werden die Chats projiziert.

Themenwoche zu „Netboy“ vom 10.-12. 10/ Auftakt mit Vortrag zu Cybermobbing am 10. 10.
Mit dem Vortrag „Digitaler Raum = Mobbing Raum?“ eröffnet das Junge Theater am Mittwoch, 10.10.2018 die Themenwoche zu „Netboy“. Der Vortrag von Medienpädagoge Tobias Gäckle-Brauchler von der Landesmedienzentrale Baden-Württemberg findet um 18.00 Uhr im Foyer der BOXX statt.  Jugendliche, Eltern, Pädagogen sind herzlich eingeladen, sich über die Gefahren von Mobbing im Netz und den kompetenten Umgang mit den digitalen Möglichkeiten zu informieren. Um 20.00 Uhr findet die Vorstellung „Netboy“ in der Inszenierung von Adewale Teodros Adebisi auf der Bühne der BOXX statt.
Karten für den Vortrag gibt es kostenfrei an der Theaterkasse, Karten für die Vorstellung von „Netboy“ um 20 Uhr sind ebenfalls an der Theaterkasse erhältlich für 14 bzw. 7 Euro.
Die Themenwoche bietet an 3 aufeinanderfolgenden Tagen vom 10.-12-10. 2018 die Möglichkeit sich intensiv mit den Themen Mobbing, Cybermobbing und Medienkompetenz auseinanderzusetzen. Die Workshops sind schon alle ausgebucht.

Premiere am 29. September 2018, 20 Uhr, BOXX
Netboy
Schauspiel von Petra Wüllenweber
für Heranwachsende ab 12 Jahren

Regie: Adewale Teodros Adebisi
Ausstattung: Jessica Rockstroh
Dramaturgie: Kristin Päckert/Mirjam Meuser
Video: Nikolai Stiefvater

Es spielen: Anja Bothe (Sarah), Stephanie Brehme (Maries Mutter), Romy Klötzel (Marie), Patrick Isermeyer (Olaf), Sascha Kirschberger (Netboy)
Tobias D. Weber (Videoeinspielung Maries Vater)

Weitere Vorstellungstermine: 01.10. – 11 Uhr; 10.10.  ̶  11 + 20 Uhr; ,11.10. – 11 Uhr, 12.10.  ̶  11 Uhr; 24.10. – 11 Uhr, 25.10. – 11 Uhr (weitere Termine siehe www.theater-heilbronn.de

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