Zwischen Bürokratie und Würde: Wie die deutsche Visapolitik kirchliche Programme und Fachkräftegewinnung blockiert

Deutschland braucht internationale Fachkräfte – das ist politischer Konsens. Doch wer versucht, diese Fachkräfte tatsächlich ins Land zu holen, stößt auf ein Visasystem, das eine tiefe Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufreißt. Die Vereinte Evangelische Mission (VEM), die seit Jahrzehnten im regen Austausch zwischen Afrika, Asien und Deutschland steht, kennt diesen Widerspruch aus leidvoller Erfahrung.

Wartezeiten von bis zu einem Jahr auf eine Visumentscheidung, monatelange Kämpfe um Botschaftstermine, willkürlich wechselnde Anforderungen von Land zu Land – das ist die Realität, mit der VEM-Mitarbeitende, Partnerschaftsengagierte und junge Freiwillige aus Afrika und Asien regelmäßig konfrontiert werden. Für privilegierte deutsche Reisende ist diese Realität kaum vorstellbar.

DNA-Test statt Geburtsurkunde

Besonders deutlich wird das Systemversagen am Fall von Pfarrerin Félicité Ngnintedem, Leiterin der Division Global Program und Vorstandsmitglied der VEM. Seit über eineinhalb Jahren versucht sie, ihren Ehemann und ihren zehnjährigen Sohn aus Kamerun nach Deutschland nachzuholen.

Die von der deutschen Botschaft in Jaunde zunächst angeforderten Dokumente – darunter Geburtsurkunden – wurden fristgerecht vorgelegt. Sie reichten aber offenbar nicht aus, um die Identität der Familienangehörigen hinreichend zu belegen. Die weitere Überprüfung der Dokumente des Ehemanns durch die Botschaft selbst kostete die Familie rund 600 Euro. Hinzu kamen die Kosten für einen DNA-Test des Sohnes: Seine Geburtsurkunde wurde zwar zunächst akzeptiert, dann aber verlangte die Botschaft zusätzlich einen genetischen Nachweis über die Abstammung von der Mutter. Ein langwieriges, intransparentes und für alle Betroffenen entwürdigendes Verfahren, das zudem zeigt, wie offizielle Dokumente zunehmend durch aufwändige und kostspielige Ersatzverfahren verdrängt werden.

Kein Vertrauensbonus für kirchliche Träger

Auch das Freiwilligenprogramm der VEM leidet unter der restriktiven Visapolitik. Junge Menschen aus dem Globalen Süden haben es besonders schwer, ihre Rückkehrabsicht gegenüber deutschen Botschaftsmitarbeitenden glaubhaft zu machen. Das Ergebnis: Seit Jahren können keine jungen Freiwilligen mehr aus Kamerun oder Sri Lanka am Süd-Nord-Austausch der VEM teilnehmen. „Obwohl sich die Zahl der Ausreißer in vielen Jahrzehnten praktizierten Jugendaustauschs an einer Hand abzählen lässt, hat die Kirche hier keinen Vertrauensbonus", sagt Maren Hager de Galindo, die bei der VEM für Visaangelegenheiten zuständig ist.

Willkür als System

Die kirchliche Partnerschaftsarbeit kennt dieselben Probleme. Deutsche Botschaften gehen von Land zu Land unterschiedlich vor, Regeln ändern sich ohne Vorankündigung und plötzlich geforderte Zusatzdokumente müssen innerhalb kürzester Fristen vorgelegt werden. So wendet die deutsche Botschaft in Windhuk neuerdings formelle Verpflichtungserklärungen, die eigentlich nur für Privatpersonen vorgesehen sind, jetzt auch auf kirchliche Institutionen an. Die Folge: Einladende Kirchenkreise müssen zunächst die lokale Ausländerbehörde aufsuchen und ihre finanzielle Leistungsfähigkeit durch eine Kaution nachweisen. Auch für Partnerschaftsvisa aus Tansania werden Kautionen in Höhe von mehreren tausend Euro verlangt, bevor Partnerschaftsengagierte einreisen dürfen.

Ein Appell für Gerechtigkeit und Würde

Die VEM appelliert an die zuständigen politischen Stellen, die deutsche Visapraxis grundlegend zu überdenken. Wer einerseits Fachkräfte aus aller Welt gewinnen und internationale Beziehungen pflegen will, andererseits aber Menschen mit bürokratischen Hürden, Misstrauen und entwürdigenden Verfahren konfrontiert, sendet ein widersprüchliches Signal. Gerechtigkeit, Würde und die Bereitschaft zur echten Begegnung dürfen nicht vor dem Eingangstor der deutschen Botschaft enden.

Über Vereinte Evangelische Mission (VEM)

Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mit Büros in Wuppertal, Indonesien und Tansania ist eine internationale, gleichberechtigte Gemeinschaft von 39 Mitgliedern, darunter 32 evangelische Kirchen in Afrika und Asien sowie sechs deutsche EKD-Kirchen und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Die VEM verfolgt konsequent ein ganzheitliches Missionsverständnis. Dazu gehört, die Lebensumstände notleidender und benachteiligter Menschen unter Achtung ihrer persönlichen Würde und Berücksichtigung ihres kulturellen Kontexts zu verbessern.

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