Grünland statt Soja? Hochschule Osnabrück erforscht neue Eiweißquelle für die Hähnchenfütterung
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Donnerstag, Juli 9, 2026
Grünlandprotein für die Broilerfütterung
Für eine bedarfsgerechte Fütterung von Broilern, der Fachbegriff für Hähnchen, sind gut verwertbare Proteinquellen entscheidend. Bisher stammt ein großer Teil dieser Eiweißversorgung aus importiertem Soja. Gleichzeitig wächst auf niedersächsischen Grünlandflächen eine Ressource, die bislang vor allem in der Rinderfütterung genutzt wird. Broiler können diese faserreichen Grünlandpflanzen jedoch nicht direkt verwerten. Sie müssen zunächst so aufgeschlossen werden, dass die enthaltenen Proteine für die Tiere nutzbar werden. Das daraus gewonnene Proteinkonzentrat kann aufgrund seiner Aminosäurezusammensetzung eine interessante Alternative zu Soja darstellen. Genau hier setzt der Lösungsansatz des Projekts an.
Der Prozess beginnt mit der Ernte der Grünlandpflanzen. Die Pflanzen werden gepresst, wodurch ein eiweißreicher Pflanzensaft und ein faserreicher Presskuchen entstehen. Der Pflanzensaft wird anschließend weiter aufbereitet und getrocknet, sodass ein Proteinextrakt entsteht, der dem Futter beigemischt werden kann. Auch der Presskuchen bleibt als Koppelprodukt erhalten und kann regional weiterverwertet werden. So wird die Pflanze möglichst umfassend genutzt.
Im Projekt wird unter Praxisbedingungen untersucht, ob und in welchem Umfang das gewonnene Grünlandprotein Soja in der Broilerfütterung ersetzen kann. Das Projekt „Grashähnchen“ begleitet dafür die gesamte Prozesskette – von der Bewirtschaftung des Dauergrünlands über die Verarbeitung bis hin zur Bewertung des Endprodukts. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob sich Grünlandprotein unter praktischen Bedingungen sinnvoll in der Broilerfütterung nutzen lässt.
Regionale Kreislaufwirtschaft stärken
Das Projekt „Grashähnchen“ verfolgt über die Fütterung hinaus das Ziel, die regionale Kreislaufwirtschaft zu stärken. Wenn Protein aus niedersächsischem Dauergrünland gewonnen und in der Region eingesetzt wird, können Transportwege verkürzt und die Abhängigkeit von internationalen Rohstoffmärkten verringert werden. Gleichzeitig bleiben Nährstoffe dort, wo sie entstehen und gebraucht werden. Nebenprodukte werden weitergenutzt und die anfallenden Nährstoffe können wieder auf landwirtschaftliche Flächen zurückgeführt werden.
So wird Dauergrünland nicht nur erhalten, sondern aktiver Teil einer regionalen Wertschöpfungskette. Das Projekt „Grashähnchen“ steht damit für einen Perspektivwechsel: Dauergrünland wird nicht nur als Landschaftselement oder als Futter für Rinder betrachtet, sondern auch als mögliche Eiweißquelle für Tiere, die Grünlandpflanzen normalerweise nicht direkt verwerten können. Wenn sich dieser Ansatz bewährt, könnte Grünlandprotein dazu beitragen, die Broilerfütterung regionaler und ressourcenschonender zu gestalten und dem Dauergrünland eine zusätzliche produktive Funktion zu verleihen. Entscheidend ist dabei, ob ökologische Vorteile und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammenkommen.
Forschung, Praxis und Verarbeitung arbeiten Hand in Hand
Das Projekt bringt Partner aus Wissenschaft, Landwirtschaft und Wirtschaft in Niedersachsen zusammen. Die Hochschule Osnabrück übernimmt die wissenschaftliche Koordination und untersucht unter anderem Fütterung, Tierwohl, Leistung sowie ökologische und ökonomische Effekte.
Das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik e. V. (DIL) in Quakenbrück bringt seine langjährige Expertise in der Verarbeitung von Grünlandpflanzen und der Gewinnung pflanzlicher Proteine ein. Darüber hinaus bewertet das Institut die Fleischqualität und ergänzt damit die wissenschaftliche Betrachtung entlang der gesamten Prozesskette.
Der landwirtschaftliche Betrieb Ögens in Nordenham bringt Dauergrünland, praktische Erfahrung und Anknüpfungspunkte aus früheren Arbeiten zur Gewinnung von Grünlandprotein ein. Die AGRAVIS AG unterstützt die Rationsoptimierung und steuert ihre Expertise aus der praktischen Tierernährung bei.
So werden landwirtschaftliche Praxis, Lebensmitteltechnologie, Tierernährung und wissenschaftliche Forschung eng miteinander verzahnt. Ziel ist nicht nur die Entwicklung eines neuen Futtermittels, sondern eines praxistauglichen Nutzungskonzepts, das neue Perspektiven für die Landwirtschaft in Niedersachsen eröffnen kann.
Hochschule Osnabrück
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