Vertraglich bestellte Kinder für CDU-Spitzenpolitiker: Jens Spahn und Hendrik Streeck bescheren der Union ein Glaubwürdigkeitsproblem
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Donnerstag, Juli 16, 2026
Nach Hendrik Streeck nun also auch Jens Spahn: Der zweite Spitzenpolitiker der CDU umgeht die biologische Hürde, die einem aus zwei Männern bestehenden Paar bei der Reproduktion im Wege steht, durch Inanspruchnahme einer Leihmutter und Kauf von Eizellen in den USA. Dieser Schritt beschädigt die Glaubwürdigkeit der Union, die diese Praxis seit Jahren als „ethisch nicht legitimierbar“ bezeichnet, weil sie Frauenkörper instrumentalisiert und Kinder zur Ware macht und daher erst Anfang des Jahres auf ihrem Parteitag die Leihmutterschaft erneut abgelehnt hat. Er beschädigt auch die Glaubwürdigkeit des CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn: Als Gesundheitsminister hat er Leihmutterschaft selbst abgelehnt. Dass derselbe Politiker nun genau jene Praxis im Ausland nutzt, die in Deutschland aus guten Gründen verboten ist, steht in offenem Widerspruch zu seinen bisherigen Positionen und zu den programmatischen Aussagen seiner Partei.
Kind als Vertragsgegenstand
Man sei „schockverliebt“ in den kleinen Georg, so teilten Spahn und sein Partner mit. Der kleine Georg ist ein Vertragsgegenstand: Spahn und Funke legten fest, von welcher Frau er ausgetragen wird, welche genetische Herkunft er hat und dass er im Moment der Geburt von der Frau getrennt wird, deren Körper und Herzschlag seine erste Welt sind. Dass man sich um einen guten Kontakt zur Leihmutter bemühen werde, die Teil der Familie bleiben solle, ist blanker Hohn: Wie soll das gehen, wenn diese Frau in den USA wohnt? Wie soll sie dann das Grundbedürfnis des Säuglings nach Nähe und Sicherheit zur ihm vertrauten Mutter stillen? Wird ein Kind über Agenturen bestellt, vertraglich organisiert und anschließend über Ländergrenzen hinweg übergeben, wird es faktisch, wie ein Produkt behandelt – unabhängig davon, wie sehr es später subjektiv geliebt wird. Und nein: Der Beckenbauer-Satz, nachdem Gott sich über jedes Kind freut, rechtfertigt es nicht, bewusst eine Waise zu produzieren, nur um sie anschließend adoptieren zu können. Auch Georg wird irgendwann wissen wollen, wer seine Mama ist. Ob ihm das Ehepaar Funke/Spahn dann den Katalog der Eizellspenderinnen zeigen wird, aus dem sie ausgewählt haben?
Ausbeutung von Frauen – zweite Spitzenfigur der CDU
Es gebe „Vorurteile und Unsicherheiten“ gegenüber Leihmutterschaft, so Spahns Mann Daniel Funke. Dem ist entschieden zu widersprechen: Es gibt Gesetze, Urteile und Faktenwissen über das Verfahren der Leihmutterschaft. Nicht umsonst hat die EU inzwischen die Ausbeutung durch Leihmutterschaft ausdrücklich als Straftat im Zusammenhang mit Menschenhandel und damit als schweres Vergehen im Umfeld organisierter Kriminalität eingestuft; zudem haben UN-Gremien und Berichterstatterinnen die Praxis international als Ausbeutung von Frauen und Handel mit Kindern verurteilt. Für ein solches „Wunschkind“ werden Frauen als Eizelllieferantinnen und als Vermieterinnen ihrer Gebärmutter eingesetzt; ihr Körper wird über Monate kontrolliert, ihre Lebensweise vertraglich festgelegt, ihre Beziehung zum Kind von vornherein ausgeschlossen. Dieses Abhängigkeitsverhältnis steht der Sklaverei näher als einer freien Entscheidung. Das Argument, man habe persönlich aber die Leihmutter gut behandelt, und sie sei bezahlt worden, ändert nichts an der ausbeuterischen Grundpraxis.
Mit Jens Spahn nutzt nun bereits die zweite prominente CDU‑Spitzenfigur, nach Hendrik Streeck, die in Deutschland verbotene Leihmutterschaft im Ausland und präsentiert sich als „Vater“ eines vertraglich erworbenen Kindes. Beide wissen, dass ihre Partei Leihmutterschaft ausdrücklich ablehnt – und handeln dennoch entgegen diesem Bekenntnis. Das stellt das eigene Wertefundament der Union und ihre Glaubwürdigkeit in Fragen der Menschenwürde von Frauen und Kindern grundsätzlich in Frage, und lässt einen irritierten Bürger zurück: Gelten solche Beschlüsse und Gesetze nur für die, die nicht die bis zu 150.000-200.000 Euro übrighaben, um sich ein Kind im Ausland zu kaufen?
Politische Konsequenzen
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Mandatsträger, die bewusst eine in Deutschland verbotene Praxis im Ausland in Anspruch nehmen, weiterhin tragbar sind für eine Partei, die sich programmatisch zum Schutz von Frauen und Kindern verpflichtet. Wer Leihmutterschaft politisch ablehnt und sie zugleich privat nutzt, kann die Rolle eines glaubwürdigen Gesetzgebers in bioethischen Fragen kaum ausfüllen.
Politik, die den Schutz von Frauen und Kindern ernst nimmt, muss Leihmutterschaft klar als menschenrechtswidrige Praxis benennen – und darf sie nicht im Einzelfall hinnehmen, wenn es sich um prominente Akteure der eigenen Partei handelt. Jens Spahn muss daher ebenso wie Hendrik Streeck sein Bundestagsmandat zur Verfügung stellen und seine Ämter in Partei und Fraktion niederlegen, um weiteren Schaden von der Union und dem Vertrauen in die parlamentarische Demokratie abzuwenden.
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