„Unsere Mitgliedsunternehmen entwickeln Lösungen für die Zukunft – von Schutz und Sicherheit über Gesundheit und Mobilität bis hin zu Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig steht die Branche wirtschaftlich erheblich unter Druck. Entscheidend ist aber, dass aus Innovationskraft auch industrielle Wertschöp-fung am Standort entstehen kann. Dafür brauchen wir Rahmenbedingungen, die In-vestitionen ermöglichen, fairen Wettbewerb gewährleisten und heimische Produkti-onskompetenz nicht strukturell benachteiligen“, betont Südwesttextil-Präsident Bodo Bölzle.
Aus Sicht von Südwesttextil kann die Landespolitik dabei eine entscheidende Rolle spielen, indem sie ihre wirtschafts- und beschaffungspolitischen Spielräume nutzt und zugleich ihre Stimme gegenüber Bund und Europäischer Union einbringt. Süd-westtextil adressierte im Gespräch insbesondere drei Handlungsfelder. Ein wichtiger Hebel liegt in der öffentlichen Beschaffung, bspw. von hochfunktionalen Textilien für Feuerwehr, Bundeswehr und Gesundheitswesen.
Staatssekretär Thomas Dörflinger sagte: „Baden-Württemberg braucht eine starke industrielle Basis – auch in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Aufgabe von Land, Bund und EU ist es, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass Unternehmen in-vestieren, innovative Produkte entwickeln und Arbeitsplätze am Standort sichern können. Dazu gehören faire Wettbewerbsbedingungen, praxistaugliche Regeln und eine Politik, die wirtschaftliche Stärke wieder stärker ermöglicht.“
In einem Positionspapier fordert Südwesttextil gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen, Vergabeverfahren nicht vorrangig am Preis auszurichten, sondern ebenso Kriterien wie Qualität, Langlebigkeit und Versorgungssicherheit hinzuzuziehen. So kann Beschaffung vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten dazu beitragen, strategisch relevante Produktionskapazitäten in Deutschland und Europa zu erhalten.
Handlungsbedarf sieht Südwesttextil zudem beim grenzüberschreitenden E-Commerce – enorme Mengen an Kleinstsendungen stellen Zoll- und Marktüberwachungsbehörden vor große Herausforderungen. Für europäische Hersteller entsteht ein Wettbewerbsnachteil, wenn Standards nicht gleichermaßen durchgesetzt werden können. Vor diesem Hintergrund begrüßt Südwesttextil die ersten auf europäischer Ebene angestoßenen Reformen, betont aber auch im Austausch mit dem Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus den Bedarf, die Umsetzung zu beschleunigen, die Bearbeitungsgebühr für Pakete angemessen anzusetzen sowie die Sanktionsmöglichkeiten konsequent anzuwenden. Auf Landesebene braucht es zugleich ausreichende Kapazitäten für eine wirksame Marktüberwachung.
Auch bei der Transformation zur textilen Kreislaufwirtschaft setzt die Branche auf Innovation. Gleichzeitig müssen die politischen Anforderungen die tatsächlichen technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen berücksichtigen. So steht aktuell für die Breite der real anfallenden unterschiedlichen textilen Abfälle kein flächendeckendes industrielles und wirtschaftlich tragfähiges Faser-zu-Faser-Recyclingsystem zur Verfügung. Daher fordert Südwesttextil, dass Regulatorik an der tatsächlichen Umsetzbarkeit ausgerichtet wird.
Wie entscheidend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sind, zeigt die anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage. Im Zeitraum Januar bis Juli ging die Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent zurück. Der Umsatz der Textilindustrie lag 4,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig entwickelt sich der Bereich der Technischen Textilien mit einem Umsatzplus von 5 Prozent und einem Beschäftigtenzuwachs von 4 Prozent positiv und zeigt, dass trotz herausfordernder Gesamtlage Chancen für Wachstum bestehen.
Alle Positionspapiere des Verbands finden Sie unter suedwesttextil.de/politik.
⁄Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist Deutschlands zweitgrößte Konsumgüterindustrie und bei technischen Textilien Weltmarktführer.
⁄ Südwesttextil vertritt die Interessen der Branche in Baden-Württemberg. Der Wirtschaftsund Arbeitgeberverband ist eine Gemeinschaft von rund 200 Unternehmen mit 7 Mrd. Euro Umsatz und 24.000 Beschäftigten.
⁄ Viele sind wichtige Zulieferer für die Autoindustrie, Luft- und Raumfahrt und Medizin oder machen mit attraktiver Mode und hochwertigen Heimtextilien den Alltag schöner und komfortabler.
⁄ Südwesttextil ist Berater für seine Mitglieder, Netzwerker in Politik und Wirtschaft, Sozialpartner in der Tarifpolitik, Förderer der Textilforschung und des Engagements für soziale und ökologische Standards.
Textil aus Baden-Württemberg ist der Stoff, aus dem die Zukunft ist.
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