Prof. Dr.-Ing. Rolf Radespiel mit dem Ludwig-Prandtl-Ring ausgezeichnet

Der Ludwig-Prandtl-Ring 2026 geht an Prof. Dr. Rolf Radespiel: Am 8. September 2026 hat die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) ihn an den ehemaligen Leiter des Instituts für Strömungsmechanik der Technischen Universität Braunschweig verliehen. Radespiel erhält die Auszeichnung für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Strömungsmechanik, insbesondere in der Aerodynamik. Verliehen wurde die höchste Auszeichnung für hervorragende eigene Arbeiten in den Flugwissenschaften auf dem 75. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongresses (DLRK) in Aachen überreicht.

In seinem Gutachten für das Ludwig-Prandtl-Ring-Komitee würdigte Prof. Dr. Wolfgang Schröder, Dekan der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen, Radespiel als Wissenschaftler, der „die Aerodynamik in der Theorie und in der Anwendung lebt“. Seine Verdienste zeigten, so Schröder, „dass er ein absolut würdiger Preisträger des Ludwig-Prandtl-Rings ist“. Radespiel widme seine Forschung im Sinne Ludwig Prandtls „den Lösungen von Problemen, die für den Fortschritt der Aerodynamik in unterschiedlichen Strömungsbereichen“ wesentlich seien. Dazu zählen insbesondere die Hochauftriebsphase, der Reiseflug und der Überschallflug.

„Rolf Radespiel hat die Aerodynamik über Jahrzehnte hinweg geprägt – von der Grundlagenforschung bis hin zur industriellen Anwendung. Bei Airbus haben wir ein Jahr zusammen in einem Team gearbeitet“, sagt DGLR-Präsident Roland Gerhards. „Er hat große Forschungsverbünde aufgebaut, in denen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industrie gemeinsam an effizienteren Flugzeugen arbeiten. Gleichzeitig hat er sich immer stark für den wissenschaftlichen Nachwuchs eingesetzt. Mit dem Ludwig-Prandtl-Ring würdigen wir ein wissenschaftliches Lebenswerk, das die Luftfahrtforschung in Deutschland und darüber hinaus nachhaltig geprägt hat.“

Ein Leben für die Strömungsmechanik

Radespiel studierte Maschinenbau an der TU Braunschweig. Von 1975 bis 1981 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig. Auf Grundlage seiner dort entstandenen Forschungsarbeiten wurde er 1986 an der TU Braunschweig promoviert. 1989 übernahm Radespiel die Leitung der Aerothermodynamics Branch am Institute of Design Aerodynamics des DLR. 1997 wechselte er in die Leitung der High-Speed Aircraft Branch am Institute of Aerodynamics and Flow Technologies des DLR in Braunschweig.

Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn auch ins Ausland und in die Industrie: Er forschte ein Jahr am NASA Langley Research Center und arbeitete rund ein weiteres Jahr bei der Daimler-Benz Aerospace Airbus GmbH. Ende 2000 wechselte Radespiel vom DLR an die TU Braunschweig. Dort übernahm er die Professur für Strömungsmechanik und die Leitung des Instituts für Strömungsmechanik. Diese Funktionen hatte er bis zu seiner Emeritierung im März 2023 inne.

Von der Grundlagenforschung zu großen Forschungsverbünden

Radespiels wissenschaftliche Arbeiten umfassen ein breites Spektrum der Aerodynamik und Strömungsmechanik. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören der aerodynamische Entwurf, Hochauftrieb, Laminarhaltung, Turbulenzmodellierung, Grenzschichttransition und numerische Strömungssimulation.

Ein besonderes Merkmal seiner Arbeit ist die Verbindung von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung – und die Fähigkeit, dafür große, interdisziplinäre Forschungsverbünde aufzubauen. 2008 gehörte Radespiel zu den Mitinitiatoren des transregionalen Sonderforschungsbereichs SFB TRR 40 „Technologische Grundlagen für den Entwurf thermisch und mechanisch hochbelasteter Komponenten zukünftiger Raumtransportsysteme“. An dem Verbund waren neben der TU Braunschweig auch die RWTH Aachen, die Universität Stuttgart, die TU München, das DLR und die Airbus Group beteiligt. Der Sonderforschungsbereich wurde 2020 abgeschlossen.

Auch in der Hyperschallforschung setzte Radespiel wichtige Impulse. Er war maßgeblich an der Formulierung des seit 2012 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Paketantrags PAK 742 „Hyperschalltransition an der Kapselgeometrie“ beteiligt.

Darüber hinaus entwickelte er den Sonderforschungsbereich SFB 880 „Hochauftrieb künftiger Verkehrsflugzeuge“, an dem die TU Braunschweig, das DLR Braunschweig und die Leibniz Universität Hannover beteiligt waren. Als Sprecher der DFG-Forschungsgruppe FOR 2895 beschäftigte er sich außerdem mit instationären Phänomenen beim High-Speed Stall.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit ist die Entwicklung nachhaltiger und energieeffizienter Luftfahrt. 2019 wurde auf Grundlage internationaler Gutachten der Exzellenzcluster EXC 2163 „Sustainable and Energy-Efficient Aviation“ (SE²A) bewilligt. Radespiel hat den Cluster maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Unter Leitung der TU Braunschweig arbeiten darin unter anderem die Leibniz Universität Hannover, das DLR, die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt und die Technische Universität Delft zusammen.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen und Engagement

Radespiel hat mehr als 130 wissenschaftliche Artikel in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Er sitzt im DGLR-Senat und ist Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Darüber hinaus war er Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Forschungszentrums für Luftfahrt, Mitglied eines DFG-Fachkollegiums und Präsident der Organisation scientifique et technique internationale du vol à voile (OSTIV). Außerdem ist er Associate Fellow des American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA).

Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Radespiel mehrfach ausgezeichnet. 2013 erhielt er das Niedersächsische Verdienstkreuz, 2020 den Excellence Award des Applied Vehicle Technology Panel. Am 28. November 2025 verlieh ihm die Universität Stuttgart die Ehrendoktorwürde.

Über den Ludwig-Prandtl-Ring

Der Ludwig-Prandtl-Ring wurde erstmals 1957 von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt (WGL), einer Vorgängerorganisation der DGLR gestiftet. Er wird höchstens einmal jährlich an Persönlichkeiten im In- oder Ausland verliehen, die sich durch hervorragende eigene Arbeiten auf dem Gebiet der Flugwissenschaften in all ihren Disziplinen ausgezeichnet haben.

Namensgeber ist Ludwig Prandtl (1875–1953), der als Vater der Aerodynamik gilt. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern der letzten Jahre zählen Prof. Dr. Robert Luckner (2025), Prof. Dr. Ulrich Schumann (2023), Prof. Dr. Ir. Henk Tijdeman (2022) und Prof. Dame Ann Dowling (2019).

Über Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt e.V. (DGLR)

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Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e.V. (DGLR) ist die wissenschaftlich-technische Vereinigung für alle Menschen, Unternehmen und Institutionen, die die Zukunft der Luft- und Raumfahrt aktiv mitgestalten wollen. Rund 3.000 Mitglieder, darunter 100 Unternehmen und Hochschulen, bilden den Kern unserer Experten-Community. Sie engagieren sich im Netzwerk, nutzen die Plattform als Basis für den Wissensaustausch, zur Innovationsförderung und für Weiterbildung.

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